Montag, 23. Mai 2005

Angela Merkel im Porträt: 50-Jährige steht vor der entscheidenden Bewährungsprobe

  • Ostdeutsche Politikerin könnte erste Bundeskanzlerin werden

Die Vorsitzende der deutschen Christdemokraten steht vor ihrer entscheidenden Bewährungsprobe. Die Aufgabe als Kanzlerkandidatin der Union ist Angela Merkel kaum noch zu nehmen. Die 50-Jährige ist unbestritten die "Nummer eins" ihrer Partei, obwohl die Biografie der geschiedenen und kinderlosen Protestantin aus Mecklenburg-Vorpommern nicht so richtig zum traditionellen Bild der CDU passt - einer männer- und west-dominierten Partei mit katholischen und konservativen Wurzeln.

Dennoch behauptete Merkel ihre Position an der Spitze dieser großen Volkspartei erfolgreich. Damit kann sie die wichtigste politische Herausforderung nicht ein weiteres Mal der kleineren Schwesterpartei CSU überlassen - und will es wohl auch nicht.

Es schreckt Merkel nicht, dass sie bei einem Wahl-Sieg die erste Frau und die erste Ostdeutsche im höchsten Regierungsamt des Landes wäre. Die Physikerin hat immer wieder Führungsstärke gezeigt, seit sie vor fünf Jahren als erste Frau an die Spitze einer deutschen Partei gewählt wurde. Damals war sie für die CDU die Retterin, die die Partei aus dem Spenden-Sumpf des langjährigen Parteichefs und Kanzlers Helmut Kohl befreien sollte. Doch das ist längst Geschichte.

Zwischenzeitlich hatte Merkel ganz andere politische Konflikte zu bestehen - auch in der CDU und mit der CSU. Dann werden schon einmal altbekannte Vorwürfe gegen sie wieder laut. Sie sei zu kalt und zu machtbewusst. Sie sei nicht ausreichend in der CDU verankert, der sie im Zuge der deutschen Wiedervereinigung 1990 beitrat. Merkel nimmt solche Anwürfe gelassen. In den Stunden des Triumphs wurde sie nicht übermütig, in Tagen der Krise aber auch nicht ängstlich. Ihre Devise lautet: "Gerade in schwierigen Zeiten heißt es Kurs zu halten." (apa)

23.5.2005 13:29