Mittwoch, 25. Mai 2005

Eidgenossen protestieren: Scharfe Kritik an geplantem AKW-Bau in der Schweiz!

  • Energieminister will zuerst Endlagerproblem lösen

Die Pläne des größten Schweizer Energieversorgers Axpo zum Bau eines neuen Kernkraftwerks haben unterschiedliche Resonanzen hervorgerufen. Während in potentiellen Standortgemeinden kaum Widerstand aus der Bevölkerung zu erwarten ist, reagieren Umweltverbände mit scharfer Kritik. Greenpeace Schweiz bezeichnete die Vorschläge für einen neuen Atommeiler am Dienstag als "unverantwortlich und kurzsichtig".

Axpo will ein neues Atomkraftwerk bauen, wenn 2020 die ersten der fünf bestehenden Anlagen aus Altersgründen vom Netz gehen. Dies gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Die Axpo rechnet mit einer Lücke von bis zu einem Drittel des Gesamtverbrauchs. In einer am Dienstag vorgestellten Studie "Stromperspektiven 2020" spricht sich der Nordostschweizer Energieversorger für einen Mix von verschiedenen Projekten aus. Neben der Atomenergie sollen auch Wasserkraft, Gas und neue erneuerbare Energien für die langfristige Sicherung der Stromversorgung eingesetzt werden.

In einer Stellungnahme hielt Greenpeace fest, dass Kernenergie in einem nachhaltigen Energieszenario keinen Platz habe. Das Argument, dass Atomstrom das Klima schütze, sei falsch. Je nach Herkunft und Produktionsweise verursache seine Herstellung mehr des Treibhausgases CO2 als Wind- oder Wasserkraft. Bedenken an den Axpo-Plänen kommen auch von Energieminister Moritz Leuenberger (Sozialdemokraten/SP). Solange die Endlagerung der radioaktiven Abfälle nicht gelöst sei, könne er keine Hand bieten für ein neues Atomkraftwerk.

Leuenberger bezeichnete es aber als legitim, dass die Diskussion um die Atomkraft wieder geführt werde. Falls es nicht gelänge, die nötige Energie aus konventionellen und erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen, stelle sich die Frage nach einem neuen Atomkraftwerk oder einem Gaskombiwerk.

2002 lehnte die Bevölkerung des Innerschweizer Kantons Nidwalden ein Endlager für schwach- und mittelaktive radioaktive Abfälle am Wellenberg ab. Die Suche nach einem Lagerstandort für den hochradioaktiven Müll ist noch nicht abgeschlossen. Bereits vergangene Woche schrieb die Zeitung "Tages-Anzeiger" unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise, ein neues Kernkraftwerk solle in der aargauischen Gemeinde Döttingen gebaut werden.

Von der dortigen Bevölkerung wäre kaum Widerstand gegen eine neue Anlage zu erwarten. Der Döttinger Gemeindepräsident Peter Hirt erklärte der Schweizer Nachrichtenagentur sda am Dienstag auf Anfrage, dass "die Atomenergiegegner nur von auswärts kommen". Die Axpo betreibt in der kleinen aargauischen Gemeinde schon zwei Kernreaktoren: Beznau I und II. 1969 beziehungsweise 1972 gingen sie ans Netz. Die beiden Anlagen bieten zusammen mit dem nicht weit entfernten AKW Leibstadt rund 1.500 Personen Arbeit. (apa)

25.5.2005 09:05