Dicke Luft in den USA: Die Stammzellen-
Frage könnte zu Bushs erstem Veto führen
- Staatliche Forschungsförderung wurde beschlossen
- Bush sieht "kritische ethische Grenze" überschritten
US-Präsident George W. Bush dürfte erstmals seit seinem Amtsantritt im Jänner 2001 ein Veto gegen ein Gesetz einlegen: Das von den Republikanern dominierte Repräsentantenhaus hat am Dienstag eine Ausweitung der öffentlichen Finanzierung der Stammzellenforschung in den Vereinigten Staaten beschlossen. Schon zuvor hatte Bush - selbst Republikaner - seinen Einspruch angekündigt.
Nach einer kontroversen Debatte stimmten die Abgeordneten mit 238 zu 194 Stimmen dafür, das bisherige Verbote für die Forschung an embryonalen Stammzellen zu streichen. Der Gesetzesentwurf muss noch vom Senat gebilligt werden. Ein Präsidenten-Veto kann nur mit einer Zweidrittelmehrheit überstimmt werden. Diese dürfte nach Ansicht von Beobachtern beim so genannten Castle-DeGette-Gesetz aber wahrscheinlich nicht zu Stande kommen.
Eine zweite Gesetzesvorlage fand breiteste Zustimmung. Mit nur einer Gegenstimme wurde beschlossen, die Forschung an Stammzellen aus Nabelschnurblut sowie aus Körperzellen Erwachsener (adulte Stammzellen) auszuweiten. Dafür sollen Haushaltsmittel in Höhe von 79 Millionen Dollar bereitgestellt werden. Dies wird auch von Bush unterstützt.
Bush sagte in einer Rede im Weißen Haus in Anwesenheit von 21 Kindern, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden sowie Anhängern einer christlichen Organisation: "Wir sollten keine öffentlichen Gelder einsetzen, um weiter die Zerstörung menschlichen Lebens zu unterstützen." Mit der Zustimmung zu dem Gesetzentwurf würden "eine kritische ethische Grenze" überschritten und weitere Anreize für die Zerstörung von entstehendem menschlichen Leben geschaffen.
Bush hatte im Jahr 2001 entschieden, dass für die Stammzellenforschung an Embryonen aus der Zeit vor August 2001 weiter Steuergelder fließen dürfen; für nach diesem Datum gewonnene Stammzellen sollte es jedoch keine öffentlichen Gelder mehr geben. Der nun verabschiedete Gesetzentwurf sieht unter anderem Erleichterungen bei der Vergabe von Krediten der öffentlichen Hand an Wissenschaftler in dem Bereich vor. Mediziner hoffen, mit Hilfe von aus Embryonen gewonnenen Stammzellen bisher unheilbare Krankheiten therapieren zu können.
Stammzellen sind Musterzellen im menschlichen Körper, die die Fähigkeit besitzen, sich in neue Zellen oder neues Gewebe umzuwandeln. Nur embryonale Stammzellen aber haben das Potenzial haben, sich zu jeder im Körper vorkommenden Zell- oder Gewebeform zu entwickeln. Für viele Forscher sind Stammzellen aus der Nabelschnur keine Alternative, da diese nur zur Behandlung bestimmter Krankheiten geeignet seien.
Die Gegner der Stammzellenforschung in den USA sind der Ansicht, dass der Steuerzahler nicht zur Finanzierung einer Wissenschaft gezwungen werden darf, die in ihren Augen einen Angriff auf ungeborene Babys darstellt. Viele Abgeordnete nannten es dagegen moralisch verwerflich, medizinische Möglichkeiten zur wirksamen Behandlung von schweren Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson nicht voll auszuschöpfen. (apa/red)
