Später Rechtsstreit: 86-jähriger Tiroler will im Jahr 1939 das VW-Logo erfunden haben!
- Laut VW gab es das "Ur-Zeichen" schon 1938
- Grafiker legte Kartonkärtchen mit Vorentwürfen vor
Ein ungewöhnlicher Fall ist am Mittwochnachmittag im Wiener Handelsgericht verhandelt worden: Ein 86-jähriger Grafik-Designer aus Tirol behauptet, im Frühjahr 1939 "unter Volldampf" die Vorentwürfe für das weltberühmte VW-Logo hergestellt zu haben. Nikolai Borg hat den Konzern auf Feststellung dieser Behauptung geklagt.
Er will beweisen, dass ihn der damalige Reichsarbeitsminister und Inspekteur für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, nach dem Gewinn eines Wettbewerbs mit dem Auftrag bedacht hat, für die im Bau befindlichen Volkswagenwerke ein Logo zu schaffen. Das Urteil ergeht schriftlich und wird frühestens im kommenden September vorliegen.
Dem Kläger gehe es nicht um Geld, sondern um Anerkennung, betonte sein Anwalt Meinhard Ciresa: "Daher haben wir auch keinen einzigen Euro eingeklagt." In der im Vorjahr eingereichten Klagschrift wird dazu ausgeführt: "Da ich nun mittlerweile 85 Jahre alt bin, bin ich genötigt, vor meinem Lebensende die gerichtliche Feststellung meiner Urheberschaft am Ur-VW-Logo durchzusetzen, um der historischen Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen."
Um diese nachzuweisen, legte Nikolai Borg heute neun Kartonkärtchen mit seinen angeblichen "Ur-Entwürfen" vor, die ein "W" und ein darüber positioniertes "V" zeigen. Volkswagen habe ihm diese bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zurück geschickt und ihn mit der Umsetzung "bis zum Endsieg" vertröstet.
1943 habe er "sein" Logo zufällig an einem Kübelfahrzeug der deutschen Wehrmacht entdeckt, so Borg. Die Kärtchen mit seinen alten Entwürfen habe er nach seiner Kriegsgefangenschaft in den fünfziger Jahren im Zuge einer "Spurensuche" in einem Keller in Berlin wieder gefunden.
Laut VW geht das markante VW-Logo mit Sicherheit nicht auf Borg zurück. "Die Idee, zwei Buchstaben übereinander zu setzen und in einem Kreis anzuordnen, war Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht mehr neu", führte Michel Walter, anerkannter Urheber- und Patentrechtsexperte und für den Auto-Konzern in dieser Sache als Rechtsbeistand tätig, aus.
Bereits 1920 habe ein gewisser Ludwig Hohlwein entsprechende Logos gestaltet. Als Erfinder des VW-Zeichens sei jedoch Franz Xaver Reimspieß anzusehen, erläuterte Walter. 1938 sei dessen "Ur-Zeichen" schon als Postfreizeichen verwendet und am 18. Mai jenes Jahres als Marke angemeldet worden. Ein weiter entwickeltes Zeichen, das die Buchstaben in einem so genannten Strahlenkranz zeigte, war laut Walter Mitte April 1939 auf Radkappen bei der Berliner Autoausstellung zu sehen.
Die beiden Streitparteien, die zu keiner außergerichtlichen Einigung zu bewegen waren, beantragten zum Beweis ihrer jeweiligen Sicht der Dinge mehrere Zeugen, die möglicherweise noch im Rechtshilfeweg einvernommen werden. (apa)
