'Feilen an Börsenstory': Post-General Wais über Filial-Schließungen & den Börsegang!
- Gewerkschaft will going-public mit allen Mitteln stoppen
- Wais im FORMAT: 'Mitarbeiter-Beteiligung wird kommen'
·Wo die Post ihre 310 Filialen zusperrt!
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Wo Sie künftig Ihre Post abholen werden können
Der Tag der Entscheidung steht fest: Am 9. September soll der ÖIAG-Aufsichtsrat den Fahrplan für den Börsengang der Post im Frühjahr 2006 beschließen. Zuvor, am 1. und 2. September, tritt der Post-Aufsichtsrat zu einer Klausur zusammen. Doch bis dahin sind noch einige Hürden zu überwinden. Post-General Anton Wais im FORMAT über das Zusperren von Postämtern und die Vorbereitungen für den Börsengang.
Format: Herr Wais, die Aufregung über Postamtsschließungen ist ausgestanden?
Wais: Die Geschichte ist beendet, der Sack zugemacht.
Format: Aber es gab den Schummelvorwurf, die Post hätte Filialen absichtlich schlecht gerechnet.
Wais: Ein Quatsch und eine Frechheit. Wir können alle Zahlen belegen.
Format: Wirtschaftet das Filialnetz nach dem Sperren von 310 Standorten künftig positiv?
Wais: Noch nicht gleich. Aber 2007, sobald sich die 22 Millionen jährlichen Einsparungen voll auswirken.
Format: Die verbliebenen gut 1.300 Postämter sind gesichert?
Wais: An Veränderungen im Markt werden wir das Filialnetz auch weiterhin anpassen müssen.
Format: Also fallen die Schließungen schon unter Vorbereitung auf den geplanten Börsengang im nächsten Jahr?
Wais: Das hätten wir so oder so gemacht. Das fällt noch unter notwendige Restrukturierungen.
Format: Für den im Frühjahr 2006 vorgesehenen Börsengang ist die Post fit?
Wais: Den Zeitpunkt bestimmen Eigentümer und Kapitalmärkte.
Format: Aber Sie müssen wissen, ob der Konzern gerüstet ist.
Wais: Natürlich. Wir haben bewiesen, dass wir restrukturieren können. Zwei Drittel des Weges sind geschafft. Wir haben keine Großinvestitionen mehr vor uns. Wir haben eine Wachstumsphantasie in Südosteuropa. Wir können langfristig eine ordentliche Dividende darstellen. Und wann können Sie schon die Aktie eines Marktführers kaufen?
Format: Es könnte sofort losgehen?
Wais: Wir haben dem Eigentümer gesagt, nicht vor April, Mai 2006, weil wir schon noch an der Story feilen müssen.
Format: Es verwundert schon, dass Sie noch vor einem halben Jahr düstere Bedrohungsszenarien malten, um harte Einschnitte zu rechtfertigen. Jetzt plötzlich ist die Post für Anleger attraktiv?
Wais: Es hat sich nichts daran geändert, dass wir im Briefbereich jedes Jahr zwei Prozent Umsatz verlieren, dass uns jede Lohnrunde 20 bis 25 Millionen Euro kostet und dass jederzeit ein Privater kommen kann, der uns Umsatz wegnimmt. Die Bedrohungsszenarien gibt es unverändert. Aber unsere Möglichkeiten, uns dagegen zu wehren, sind viel besser.
Format: Glauben auch die Investmentbanken, mit denen Sie Kontakt haben, dass es genügend Interessenten für eine Post-Aktie gibt?
Wais: Beispiele in Dänemark und Belgien zeigen, dass Finanzinvestoren für Post-Unternehmen vorhanden sind. Beim niedrigen Zinsniveau jetzt sind stabile Dividenden gefragt. Wir haben zuletzt 40 Millionen ausgeschüttet.
Format: Voraussetzung für ein Going-public ist ein neues Post-Gesetz ...
Wais: Richtig, wir brauchen ein Gesetz für den liberalisierten Markt.
Format: Und was wünschen Sie sich von dem Gesetz?
Wais: Nachvollziehbare Zugangsbedingungen für den Markt. Das umfasst sehr viele Punkte. Gibt es für neue Anbieter nur ein Anmelde- oder ein Lizenzverfahren? Wie definiert sich Versorgungsleistung? In Finnland etwa reicht es, wenn in bestimmten Gebieten dreimal pro Woche die Post kommt. Oder wie wird die flächendeckende Versorgung finanziert? Müssen wir das aus eigener Kraft, kann es nicht sein, dass jeder Preis bis ins Kleinste geregelt ist.
Format: Mit Blick auf den Börsengang werden Sie sich auch Zurückhaltung bei der Liberalisierung wünschen.
Wais: Uns wäre am liebsten, wenn im Gesetz steht: im Einklang mit der EU - ohne Jahreszahlen.
Format: Also keine Totalliberalisierung vor 2009?
Wais: Dieses Datum wird in der EU-Kommission diskutiert. Auch die großen börsennotierten Post-Konzerne wollen noch möglichst lange eine Monopolrente.
Format: Lassen die Gespräche mit dem Infrastrukturministerium ein für die Post akzeptables Gesetz erwarten?
Wais: Aufgrund des Entwurfs gehe ich von einem guten Kompromiss aus.
Format: Noch einmal zum Börsengang. Die Gewerkschaft ist dagegen. Sie befürchtet noch mehr Druck auf Mitarbeiter.
Wais: Kann ich nicht nachvollziehen. Es herrscht schon viel Druck. Das ist für eine Beamtengewerkschaft eher ein ideologisches Thema. Würde man das Bundeskanzleramt in eine AG umwandeln, gäbe es auch einen Aufschrei.
Format: Aber Sie wollen 81 Millionen Personalkosten bis 2007 sparen und weitere 4.000 Mitarbeiter abbauen?
Wais: Die Summe stimmt, aber es geht nicht um 4.000 Köpfe. Viel ist mit Teilzeit, Flexibilisierung und Überstunden zu erreichen.
Format: Und was tun Sie, wenn der Betriebsrat wegen des Börsengangs wie angedroht massiven Wirbel schlägt?
Wais: Schauen wir einmal, was die Mitarbeiter sagen, wenn wir ihnen eine Beteiligung anbieten. Die jetzigen 350 Euro Prämie haben sie sehr goutiert.
Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!
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