Invasion der reichen Mäzene: Neuer Geldsegen für Österreichs Spitzenfußball
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Gönner des Fußballs
Pishyar, Red Bull, Dynamo Kiew und Sportagentur IMG
Österreichs Spitzenfußball angelt massiv nach neuen Sponsoren - die weltgrößte Sportagentur, Red Bull sowie Gönner aus dem Iran und der Ukraine beißen an. Wenn sich der austrokanadische Milliardär Frank Stronach, 72, demnächst zur Überreichung der Meisterschaftstrophäe ins Rapid-Stadion nach Wien-Hütteldorf wagt, ist dem Präsidenten der höchsten heimischen Fußball-Liga bereits reichlich Spott und Hohn sicher: Dem ehrgeizigen Magna-Magnaten bleibt nämlich ein sportlicher Triumph trotz all seines schönen Geldes wieder einmal versagt.
Stronach hat Rapids Erzrivalen, die Wiener Austria, in den vergangenen Jahren mit satten 100 Millionen Euro bedacht - mehr, als jedem Konkurrenzverein jemals zur Verfügung stand. Er hat zudem schon 16 Trainer verbraucht und die Klubharmonie durch umstrittene Personalentscheidungen gerade wieder einmal gehörig durcheinander gewirbelt.
Sportlich ist der Austria-Präsident aber auch heuer wieder eindrucksvoll gescheitert. Süffisanter Kommentar des ehemaligen SPÖ-Finanzministers und Rapid-Präsidenten Rudolf Edlinger: "Finanzielle Abenteuer sind bei uns weiterhin tabu. Es tut trotzdem gut zu sehen, dass wir kleine Würschtel uns am Ende sportlich durchgesetzt haben."
Was Meister-Präsident Edlinger noch mehr freut: Die Rivalen der - zumindest das Jahresbudget von stolzen 25 Millionen Euro betreffend - meisterlichen Austria haben in den vergangenen Monaten still und heimlich gehörig aufgerüstet. Die Invasion neuer Mäzene begann bei Admira Wacker Mödling, wo sich der iranische Mischkonzern 32Group engagiert hat, setzte sich beim Grazer Exmeister GAK fort, wo mit der IMG eine weltweit operierende Sportvermarktungsagentur gleich einen Zehnjahresvertrag abschloss, und fand ihren bisherigen Höhepunkt durch das Engagement von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz bei Austria Salzburg.
In Innsbruck erwartet Gerhard Stocker, Obmann des FC Wacker Tirol, dieser Tage die Rückmeldung eines weiteren millionenschweren Gönners: Grigori Surkis, ebenso steinreicher wie skandalumwitterter ukrainischer Oligarch und Großaktionär des in der Champions League engagierten Topvereins Dynamo Kiew, erwägt ein Engagement in Tirol.
Persische Millionen für Admira
Der Ankick zu einem warmen Geldregen auf die heimischen Spitzenvereine setzte vor den Toren Wiens in der Südstadt, bei Admira Wacker Mödling, ein. Hans-Werner Weiss, dem Präsidenten des Tabellennachzüglers, ist es in seit Oktober des Vorjahres währenden Geheimverhandlungen gelungen, den "Frank Stronach des Iran" als neuen Gönner zu gewinnen.
Der Mann heißt Majid Pishyar, 50, und leitet ein Unternehmenskonglomerat mit dem schönen Namen 32Group, das von seinem Headquarter in der New Yorker Wall Street Nummer 14 aus auf der ganzen Welt präsent ist: ein milliardenschwerer Mischkonzern, dessen Aktivitäten von Bau bis Chemie und Lebensmittelhandel reicht. In der Hitze Dubais baut die 32Group etwa um 600 Millionen Euro gerade die größte Skihalle der Welt - es ist nur eines von insgesamt 21 Projekten, das die Iraner im boomenden Emirat gerade umsetzen.
Bevor Pishyar zum Admira-Präsidenten gekürt wurde und Anteile an einer Admira Sportmanagement GmbH übernahm, hatte der Perser nur einen Tag in Wien verbracht und sich während eines Besuchs bei Liga-Präsident Frank Stronach über den heimischen Fußball erkundigt. Vom Austrokanadier stammte der Tipp, doch mit der Admira Kontakt zu suchen. Admira-Weiss: "Unser betriebswirtschaftliches Konzept mit Förderung des Eigenbaus und einer Akademie hat ihm gefallen. Heute geht es nicht mehr nur um simples Mäzenatentum. Der Mann unterstützt unsere Ideologie. Bei uns wird seither beinhart kalkuliert."
Die Vorgaben des Persers, der über sein Millionen-Engagement im Detail nichts preisgegeben hat (Weiss: "Das Beteiligungskapital wird sicher die eine oder andere Million betragen"), erinnern an jene von Frank Stronach bei der Austria: innerhalb von vier Jahren an die Spitze vorstoßen und um den Meistertitel mitkämpfen.
Mega-Deal beim GAK
In Graz, wo der GAK im Vorjahr den Meistertitel feiern durfte, kam es vor einem Monat zu einem erstaunlichen Deal: GAK-Boss Rudi Roth, selbst ein erfolgreicher Mineralölhändler, schloss mit der weltgrößten Sportvermarktungsagentur IMG gleich einen Vertrag mit zehn Jahren Laufzeit ab. IMG - die Gruppe beschäftigt 2.500 Mitarbeiter in 80 Büros auf der ganzen Welt und kooperiert mit Topvereinen wie Manchester United, FC Barcelona oder Arsenal London - garantiert 5,5 Millionen Euro Sponsorgeld pro Jahr. GAK-Präsident Roth jubelt: "Das war der größte Deal des Vereins und die wichtigste Entscheidung überhaupt." Christian Pirzer, IMG-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz: "Die professionelle Führung des Vereins hat uns überzeugt."
In Salzburg lässt Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz als neuer Chef des SV Salzburg künftig auch im Fußball klotzen statt kleckern. Nachdem der Milliardär den zuletzt chronisch abstiegsgefährdeten Klub im April von Langzeitpräsident Rudolf Quehenberger übernommen hatte, ging es Schlag auf Schlag: Der neue Trainer Kurt Jara darf auf Unterstützung der deutschen Fußball-Legende Franz Beckenbauer zählen, den Mateschitz als Berater verpflichtet hat. Beckenbauer wird mehrere Spieler des Meisterklubs FC Bayern München für die nächste Saison nach Salzburg lotsen. Mateschitz' Vorgabe: Der SV Salzburg soll "mittelfristig in Europa mitspielen", allerdings werde er verhindern, dass "mit übertriebenen Budgets kurzfristig eine Legionärstruppe zusammengestellt" wird.
Warten auf Nachricht aus Kiew
Gerhard Stocker, Obmann des FC Wacker Tirol, wartet inzwischen bereits ungeduldig auf Nachrichten aus Kiew. Vor vier Wochen wurde der Tiroler von den Gebrüdern Igor und Grigori Surkis kontaktiert: Igor ist Präsident des ukrainischen Topklubs Dynamo Kiew, sein älterer Bruder Grigori in Personalunion Besitzer von Dynamo Kiew, Präsident des Landesverbandes und der Profiliga.
Kleiner Haken am Gespann: Sie zählen zum steinreichen Dutzend von Oligarchen, die nach dem Sturz des Regimes in Ungnade gefallen sind. Die Brüder Surkis haben nun sogar heikle Ermittlungen am Hals: Sie sollen Millionen illegal in Offshore-Unternehmen verschoben haben.
Wacker-Obmann Stocker bleibt dennoch gelassen: "Ich schaue mir das jetzt in aller Ruhe an. Die Familie Surkis hat Interesse an einem Einstieg bei uns gezeigt und wird mir ihre Pläne bis Ende des Monats präsentieren."
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