Mittwoch, 18. Mai 2005

Wifo-Prognose bis '09: Leichte Wirtschafts-
erholung, jedoch keine Arbeitsmarkt-Wende

  • Arbeitslosigkeit stellt weiterhin das Hauptproblem dar
  • Durchschnittliches Wachstum von 2,3 Prozent jährlich

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sagt eine leichte Erholung der heimischen Wirtschaft voraus, sieht mittelfristig aber keine Trendwende am Arbeitsmarkt. In den vergangenen fünf Jahren ist Österreichs Wirtschaft demnach jährlich real um nur 1,6 Prozent gewachsen. Für die kommenden fünf Jahre erwartet das Wifo in seiner neuen Mittelfristprognose nun eine leichte Beschleunigung des Wachstums auf durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr.

Dies werde zwar eine Verringerung des Budgetdefizits auf minus 0,5 Prozent des BIP bis 2009 ermöglichen. Auf Grund des hohen Zustroms an Arbeitskräften reiche das Wachstum aber nicht aus, um eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt herbeizuführen. Die Arbeitslosigkeit bleibe damit "das Hauptproblem der österreichischen Wirtschaftsentwicklung", so das Wifo.

Die Prognose unterstellt, dass der Konsum der privaten Haushalte seine lange Schwächephase allmählich überwindet und sich das Wachstum der Konsumausgaben von 1,4 auf 2,1 Prozent beschleunigt. Außerdem sagt das Wifo ein zunehmendes Wachstum der Exporte voraus - bis 2009 real um 6,5 Prozent pro Jahr. Dies wiederum habe auch eine Verstärkung der Investitionstätigkeit zur Folge. Für die Baukonjunktur erwarten die Wirtschaftsforscher durch Impulse in der Verkehrsinfrastruktur und Wohnbau eine Beschleunigung des Wachstums von ein auf zwei Prozent.

Die Prognose basiert allerdings auf der Annahme, dass sich die Überbewertung des Euro gegenüber dem Dollar mittelfristig verringert und die Erdölpreise auf dem Weltmarkt sinken. Die Inflation bleibt laut Prognose dennoch in jedem Fall bis 2009 schwach bei durchschnittlich 1,75 Prozent.

Selbst wenn in den kommenden vier Jahren die Rahmenbedingungen in Österreich und weltweit gut sind, wird die Arbeitslosenzahl also weiter steigen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut geht davon aus, dass die Anzahl von heuer knapp 247.000 auf fast 260.000 im Jahr 2009 ansteigen wird. Die Zahl der Menschen ohne Job, aber in Schulung - zuletzt im April gut 51.000 Personen - ist darin noch nicht eingerechnet.

Gleichzeitig steigt die Beschäftigung um 0,9 Prozent pro Jahr. "Die Erholung von Exportindustrie und Bauwirtschaft wird auch eine Ausweitung der Vollzeitarbeitsplätze zulassen, überwiegend dürfte sie aber Teilzeitstellen betreffen", so das Wifo. Noch rascher wächst allerdings das Angebot an Arbeitskräften. Dies geht auf hohe Einbürgerungsraten, regen Zustrom ausländischer Arbeitskräfte und die Anhebung des Frühpensionsalters zurück, erklärten die Wirtschaftsforscher.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote bleibt im Prognosezeitraum auf dem Niveau des Jahres 2005 (7,1% der unselbständigen Erwerbspersonen bzw. 4,5% der Erwerbspersonen laut Eurostat). Sie liegt damit deutlich über jener der Periode 1999/2004 (6,6% bzw. 4,1%).

Grüne: "Untätige Regierung" ist Schuld an Arbeitslosigkeit
Dass die Zahl der Arbeitslosen bis 2009 weiter steigen wird, ist nach Ansicht der Grünen die Schuld der Bundesregierung. Diese sei "untätig" und habe "keine Ideen zur Beseitigung der hohen Arbeitslosigkeit ", erklärte der Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger. Dies sei "eine Fahrlässigkeit, die ihresgleichen sucht".

Die Grünen fordern in einer Aussendung ein Sofortprogramm - eine "Aktion 10.000" - die unmittelbar einjährige Beschäftigungsverhältnisse für 10.000 JobeinsteigerInnen schaffen soll. Öllinger denkt dabei vor allem an die Bereiche Wissenschaft, Umwelt und soziale Dienstleistungen.
(apa)

18.5.2005 11:48