Mittwoch, 18. Mai 2005

Deutsche Bank im Kreuzfeuer der Kritik: Massive Proteste bei Hauptversammlung!

  • Rund 100 Betriebsräte gegen geplanten Stellenabbau
  • Die Aktionärsschützer kritisieren den "medialen Gau"

Trotz guter Geschäftszahlen bleibt die Deutsche Bank im Kreuzfeuer der Kritik. Anlässlich der Hauptversammlung des deutschen Branchenprimus in Frankfurt am Main protestierten am Mittwoch rund 100 Betriebsräte und Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di gegen den geplanten Abbau von deutschlandweit 1.920 Stellen. Auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Geldinstituts in den vergangenen Monaten hagelte es harsche Kritik. Die Bank kündigte unterdessen an, am eingeschlagenen Kurs weiter festhalten zu wollen.

Heftige Kritik übten Aktionärsschützer vor allem an der Kommunikation der geplanten Streichungen von weltweit 6.400 Stellen, die zeitgleich mit positiven Geschäftszahlen verkündet worden war. Dies hatte tagelang die Schlagzeilen dominiert und sogar einen Aufruf zum Boykott des Geldinstituts zur Folge gehabt.

Offenbar habe der Vorstand das Gespür für die Stimmung in Deutschland ein Stück weit verloren, kritisierte DSW-Geschäftsführer Klaus Nieding, der von einem "medialen Gau" sprach. Angesichts des Victory-Zeichens von Vorstandssprecher Josef Ackermann beim Mannesmann-Prozess, der juristischen Auseinandersetzung zwischen Aufsichtsratschef Rolf Breuer und dem Medienunternehmer Leo Kirch und der Geschehnisse bei der Bilanz-PK, "muten die Peanuts von Herrn Kopper als ebensolche an", sagte er.

"In der Öffentlichkeitsarbeit machen Sie alles falsch"
Aktionärsschützer Hans-Martin Buhlmann verglich die Selbstdarstellung der Bank mit einem "schlechten Film aus dem Kirch-Archiv". Unternehmerisch sei der Bank nichts vorzuwerfen - "aber in der Öffentlichkeitsarbeit machen Sie alles falsch", sagte er. Ackermann räumte ein, dass die Ankündigung des Stellenabbaus zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgt sei - nämlich kurz nach der Bekanntgabe der Arbeitslosenzahl von mehr als fünf Millionen. Die Maßnahme selbst verteidigte er jedoch: "Es gibt viele Unternehmen in Deutschland, die haben wesentlich mehr abgebaut", betonte er.

Auch mit dem Aktienkurs zeigten sich die Aktionärsvertreter unzufrieden. Dieser habe sich regelrecht "kümmerlich" entwickelt, kritisierte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Unternehmen hält an den Kündigungen fest
Die Deutsche Bank sieht sich unterdessen auf einem guten Weg und will trotz massiver Kritik am geplanten Stellenabbau festhalten. Die Bank sei ihrem Ziel, "aus Deutschland heraus eine der Top-Banken der Welt zu führen, ein gutes Stück näher gekommen", sagte Ackermann. "Wir sind aber noch nicht am Ziel." Daher gebe es "zum eingeschlagenen Kurs keine Alternative".

Die geplanten Stellenstreichungen seien "schmerzhaft", räumte Ackermann ein. Um die Zukunft des Geldinstituts als international erfolgreiche und unabhängige Bank zu sichern und weiterhin eine führende Rolle auf den globalen Märkten einzunehmen, seien diese Maßnahmen aber nötig.

Auch sonst zog der Vorstandssprecher eine positive Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres, in der die Bank einen Gewinn nach Steuern von 1,1 Mrd. Euro erzielte. Die Deutsche Bank habe ihre operative Stärke spürbar verbessert und sei "für die Zukunft gut aufgestellt", betonte Ackermann. Er schlug er die Ausschüttung einer Dividende von 1,70 Euro pro Aktie vor - 20 Cent mehr als im Vorjahr. (apa)

18.5.2005 15:09