Montag, 23. Mai 2005

Nach Anschlägen auf Kinos in Indien: Jetzt herrscht erhöhte Alarmbereitschaft

  • Ein Toter, 50 Verletzte - Kinos zeigten umstrittenen Film
  • Sikhs empört: Schauspieler betritt Tempel mit Schuhen

Nach den Anschlägen auf zwei Kinos in Neu-Delhi sind die indischen Sicherheitskräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Bei den Bombenanschlägen waren ein Mensch getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Am Montag detonierte in der indischen Hauptstadt erneut ein kleinerer Sprengsatz. Die Explosion, bei der ein Mensch verletzt wurde, stand Polizeiangaben zufolge nicht in Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Kinos.

Die Lichtspielhäuser hatten einen Film gezeigt, der nach Meinung mancher Sikhs die Religion dieser Gruppe schmäht. Viele Kinos nahmen den Titel nach den Anschlägen aus dem Programm. Die Polizei in Bombay kündigte an, alle Vorstellungen des Films zu schützen oder die Kinobesitzer aufzufordern, auf den Titel zu verzichten. Ministerpräsident Manmohan Singh, der selbst ein Sikh ist, besuchte die Verletzten im Krankenhaus.

Manche Sikhs nehmen besonderen Anstoß an Szenen des umstrittenen Films "Jo Bole So Nihal", in denen Schauspieler Sikh-Tempel betreten, ohne sich die Schuhe auszuziehen oder den Kopf zu bedecken. Dies wird von Sikhs als Sakrileg betrachtet.

Am Sonntag war der erste Jahrestag der indischen Regierungskoalition. Manmohan Singh ist der erste Sikh im Amt des Regierungschefs.

Bei Explosionen in zwei Kinos in der indischen Hauptstadt Neu Delhi ist am Sonntagabend mindestens ein Mensch ums Leben gekommen, mindestens 50 Menschen seien verletzt worden. Beide Explosionen ereigneten sich im Abstand von etwa 15 Minuten in Kinosälen, in denen zu dem Zeitpunkt ein von den Sikhs abgelehnter Hindu-Film gezeigt wurde. Die Polizei ging von Bombenanschlägen aus. Ein Kinogänger sagte dem TV-Sender Star News, er habe sieben Leichen aus dem Kino geborgen. Die Polizei wollte Angaben über mögliche Todesopfer nicht bestätigen.

Der TV-Sender Star News berichtete, eine laute Explosion habe das Kino Liberty Cinema im belebten Einkaufsviertel Karol Bagh während einer Filmvorführung erschüttert. Die Bombe sei unter einem Sitz der fünften Reihe angebracht worden, sagte der Polizeichef von Neu Delhi, K.K. Paul. In dem Kino seien mindestens 44 Menschen verletzt worden. Wenige Minuten später sei in einer Toilette im Satyam-Kino im nahe gelegenen Viertel Patel Nagar eine zweite Bombe hochgegangen; hier habe es mindestens sechs Verletzte gegeben. Mindestens 18 Schwerverletzte seien ins Krankenhaus gebracht worden.

Beide Detonationen ereigneten sich in Sälen, in denen ein von den Sikhs abgelehnter Film gezeigt wurde. Der Streifen trägt den Titel eines religiösen Gesanges der Sikhs. Deren höchste religiöse Instanz hatte ein Verbot des Films gefordert, da dieser die religiösen Gefühle der Gläubigen verletze. In dem überwiegend von Sikhs bewohnten nordindischen Bundesstat Punjab war der Film vergangene Woche nach Protesten verboten worden.

Die Polizei holte nach den Explosionen Zuschauer aus den Kinosälen der Haupstadt, in denen der umstrittene Film am Sonntagabend gezeigt wurde. Die Sicherheitskräfte waren in erhöhter Alarmbereitschaft. Einige Kinos sagten die Vorführungen des Films ab.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Die Explosionen fielen auf den 1. Jahrestag der Machtübernahme der Kongresspartei, die bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr die Hindu-Nationalisten aus dem Amt gedrängt hatten und im Parlament von den Kommunisten unterstützt werden.

(apa)

23.5.2005 13:00