Freitag, 20. Mai 2005

Stronachs Stimme entscheidet: Regierung Kanadas überlebt knapp Misstrauensvotum

  • Tochter des Magna-Bosses als Zünglein an der Waage
  • Wechsel zu den Liberalen entscheidet den Wahlgang

Die regierende Liberale Partei Kanadas hat bei einer Kampfabstimmung ein Misstrauensvotum nur mit einer Stimme Mehrheit denkbar knapp überlebt. Nachdem ein Patt von jeweils 152 Stimmen ausgezählt wurde, gab am Ende das Entscheidungsvotum des Parlamentssprechers zu Gunsten seiner Liberalen Partei den Ausschlag.

Ministerpräsident Martin rief die Konservative Partei, die in der frankophonen Provinz Quebec starke Partei Bloc Quebecois sowie unabhängige Abgeordnete, die gegen die Regierung gestimmt hatten, zur Fortsetzung der parlamentarischen Arbeit auf. Oppositionsführer Harper von der Konservativen Partei bekundete seinen Respekt für das Abstimmungsergebnis. Die Opposition werde dennoch weiter für ihre Ziele eintreten und die Regierungsmacht anstreben.

Die Abgeordnete Belinda Stronach, Tochter des Austro-Kanadiers und Gründers des Autoteil-Zulieferers Magna, Frank Stronach, hatte in dieser kritischen Phase für die liberale Regierung die Seiten gewechselt. Stronach verließ die oppositionelle Konservative Partei, für die sie im Vorjahr ins Parlament gewählt worden war, und schloss sich den Liberalen von Ministerpräsident Martin an. Sie hat damit in der kritischen Abstimmung als Zünglein an der Waage den Auschlag für die Liberalen gegeben.

Für Anfang nächsten Jahres wird im flächenmäßig nach Russland zweitgrößten Land der Erde mit vorgezogenen Neuwahlen gerechnet. Ministerpräsident Martin hatte vor dem Misstrauensvotum mehrfach zugesagt, nach der Vorlage des Abschlussberichtes einer Kommission zur Untersuchung der Korruptionswürfe allgemeine Wahlen anzusetzen. (apa)

20.5.2005 08:35