'Newsweek'-Skandalartikel doch wahr? Ex-Häftling berichtet von Koran-Schändungen
- Guantánamo: US-Soldaten trampelten auf Buch herum
- Gotteslästerung ließ Gefangene in Hungerstreik treten
·"Newsweek" zieht Koran-Artikel zurück
US-Magazin hatte zuvor lediglich Fehler zugegeben
·Falscher Bericht
zu Koranschändung
Aufregung um US-Magazin.
Aufruf zu heiligem Krieg
Ein ehemaliger Häftling des US-Gefangenenlagers Guantánamo (US-Slang: "Gitmo") hat von regelmäßigen Koran-Schändungen durch Verhörbeamte berichtet. "Die Schändung des Koran wurde vor allem zu Beginn der Inhaftierung regelmäßig vorgenommen", sagte der Afghane Abdul Rahim am Dienstag im privaten afghanischen Fernsehsender AVT Khyber.
Die Beamten hätten Koran-Ausgaben auf den Boden geworfen und darauf herumgetrampelt, sagte der 40-Jährige, der drei Jahre in dem Lager verbrachte. Diese Gotteslästerung habe Entsetzen unter den Insassen ausgelöst. Alle Gefangenen seien in den Hungerstreik getreten. Nach Angaben seines Interviewers sagte Rahim, der Hungerstreik sei erst beendet worden, nachdem sich ranghohe US-Beamte entschuldigt hätten.
Das US-Magazin "Newsweek" hatte mit einem Bericht über angebliche Entwürdigungen des Koran in Guantánamo für Aufsehen gesorgt. Demnach hatten Verhörbeamte in dem Lager den Koran in Toiletten geworfen. Bei den anschließenden weltweiten Protesten waren in Afghanistan mindestens 14 Menschen getötet worden. Am Montag zog das Magazin den Artikel vollständig zurück.
Rahim war nach eigenen Angaben 2001 vom pakistanischen Geheimdienst in der Stadt Peshawar gefasst worden und den USA übergeben worden. Nach seiner Rückkehr aus Guantánamo kehrte er über die afghanische Hauptstadt Kabul nach Pakistan zurück und lebt dort als Geschäftsmann und Autor. (apa/red)
