Samstag, 21. Mai 2005

Geisel-Drama in Afghanistan: Italien hofft auf Freilassung von entführter Helferin

  • Sogar die Bevölkerung soll bei der Suche helfen
  • Afghanische Behörden setzen Vermittlungsaktion fort

Italien hofft auf eine baldige positive Wende im Geiseldrama in Kabul: Seit Montag wartet man auf Nachrichten über die in der afghanischen Hauptstadt entführte freiwillige Entwicklungshelferin Clementina Cantoni, doch die von den afghanischen Behörden in die Wege geleitete Vermittlungsaktion scheint vorerst keine Ergebnisse zu zeigen. Die Behörden in Kabul dementierten am Freitag die Angaben des mutmaßlichen Entführers, Timur Shah, der behauptet hatte, er habe Cantoni ermordet.

Clementina Cantoni sei noch am Leben, erklärte ein Sprecher der afghanischen Regierung. Man habe mit der Geisel telefonisch sprechen können. "Die Helferin ist am Leben, die Verhandlungen für ihre Freilassung sind noch offen", betonte er nach Angaben des italienischen Staatsfernsehens RAI.

Bevölkerung soll bei Suche helfen
Hilfsorganisationen haben die afghanische Bevölkerung am Samstag zur Mithilfe bei der Suche nach Cantoni aufgefordert. Hunderte Poster mit dem Bild der 32-Jährigen wurden in Kabul aufgehängt. "Bitte helfen Sie Clementina", heißt es darauf. "Sie hat 10.000 Witwen und 50.000 Waisenkindern geholfen."

Präsident Karzai erklärte, die Regierung kenne den Täter und seine Motive. "Wir wollen, dass er seine Geisel sicher und gesund freilässt."

Ausländische Medien hatten den möglichen Kidnapper, Timur Shah, am Freitag mit den Worten zitiert, er habe Cantoni getötet, weil die Regierung nicht auf seine Forderungen eingegangen sei. Kurz nach Bekanntwerden der Berichte widersprach ihnen Shah: Der Nachrichtenagentur AP sagte er, dass er einen Arzt zu Cantoni gebracht habe, der sie behandelt habe. Es gehe ihr gut. Welcher Art die Behandlung war, sagte er nicht.

Solidarität: Bild Cantonis hängt auf dem Kapitol
Das internationale Hilfswerk CARE will in Kabul Flugblätter verteilen, und so die Freilassung der freiwilligen Helferin fordern. "Wir wollen jegliche Information sammeln, die zu Clementinas Freilassung führen kann", so ein Sprecher der Organisation, "Clementina hat in Afghanistan 10.000 Witwen und 50.000 Waisen geholfen, wir müssen sie befreien."

Auch in Italien kommt es zu Solidaritätsinitiativen für die entführte Mailänderin. Auf dem Kapitol, dem Sitz des römischen Stadtrates, wurde ein großes Bild Cantonis ausgerollt. Die im Irak entführte Journalistin, Giuliana Sgrena, die im Februar drei Wochen in Geiselhaft verbracht hat, rief zu eine Massenmobilisierung für die 32-Jährige auf.

Cantoni war am Montag in der Innenstadt von Kabul entführt worden. Die Kidnapper hatten die Frau in ihre Gewalt gebracht, als diese in einem Auto gemeinsam mit einer kanadischen Kollegin und einem Fahrer im Zentrum Kabuls unterwegs war. Vier bewaffnete Männer zwangen die Italienerin zum Aussteigen, anschließend flüchteten sie mit ihr. Der Kanadierin passierte nichts. (apa)

21.5.2005 15:14