Falscher Bericht über Koranschändungen:
Magazin entschuldigt sich bei Betroffenen
- "Newsweek": Quelle sei sich in der Sache nicht sicher
- Afghanische Gruppe: Aufruf zu heiligem Krieg vs. USA
Es war nur eine kleine Meldung in einem US-Nachrichtenmagazin, die einen Flächenbrand in der islamischen Welt ausgelöst hat. Nachdem "Newsweek" vor einer Woche berichtet hatte, Verhörspezialisten im Gefangenenlager Guantanamo hätten den Koran in die Toilette geworfen, brachen wütende Proteste in mehreren Ländern aus; in Afghanistan starben dabei mehr als 14 Menschen.
Angesichts der Welle der Gewalt muss dem anonymen US-Regierungsmitarbeiter, den das Magazin als Quelle zitierte, ein furchtbarer Schreck in die Knochen gefahren sein - er sei sich inzwischen nicht mehr sicher, ob seine Geschichte mit der Koran-Schändung stimme, ruderte er auf erneute Nachfrage von "Newsweek" zurück. Das Magazin erklärte nun, die folgenreiche Meldung sei womöglich falsch.
Das Magazin bedauere, dass Teile der Geschichte falsch seien, und entschuldige sich bei den Opfern der dadurch verursachten Gewaltakte und bei den US-Soldaten. Der Artikel hatte heftige Proteste in mehreren islamischen Ländern ausgelöst. In Afghanistan kamen dabei mindestens 14 Menschen ums Leben. Eine Taliban-nahe Islamistengruppe rief dort unterdessen zum Heiligen Krieg auf.
Whitaker erklärte, bereits vor Erscheinen des "Newsweek"-Artikels hätten andere große Medien über Vorwürfe der Koran-Schändung berichtet. Sein Blatt habe seine eigene Geschichte dennoch für meldenswert gehalten, weil ein US-Beamter gesagt habe, dass Regierungsermittlungen die Vorwürfe erhärtet hätten. Als "Newsweek" den Beamten nun noch einmal darüber befragt habe, was er in dem Regierungsbericht gesehen habe, habe dieser gesagt, er sei sich nicht mehr sicher.
Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums Lawrence DiRita sei "explodiert", als er von dieser neuen Wendung erfahren habe, heißt es in der neuen "Newsweek" weiter. "Menschen sind wegen der Aussagen dieses Hurensohns gestorben - wie könnte er jetzt noch glaubwürdig sein?", zitiert das Blatt DiRita.
Dagegen habe der Anwalt Mark Falkoff berichtet, der Selbstmordversuch von 23 Guantanamo-Häftlingen im August 2003 sei auf das Verhalten von US-Soldaten zurückzuführen. Diese hätten ein Exemplar des Koran auf den Boden geworfen und darauf herumgetrampelt. Whitaker betonte, sein Magazin wolle ebenso wie die US-Regierung den Vorwürfen von Koran-Schändungen weiter nachgehen.
Unter Berufung auf den US-Beamten hatte "Newsweek" am 9. Mai berichtet, Verhörspezialisten im Lager Guantanamo auf Kuba hätten ein Exemplar des Koran in die Toilette geworfen. Dies stehe in einem Bericht des US-Militärs, der demnächst erscheinen werde. Der Artikel hatte heftige Proteste in mehreren islamischen Ländern ausgelöst. (apa/red)
