Drogenring in Oberösterreich gesprengt:
Zehn Hauptdrogendealer festgenommen!
- Suchtgift im Wert von 2,8 Mio. Euro geschmuggelt
- Labor zur Speed-Produktion im Badezimmer entdeckt
Einen groß angelegten 60 Personen umfassenden Drogenring hat die Exekutive in Oberösterreich gesprengt. Er ist dafür verantwortlich, dass seit 1998 fast 300 Kilo Suchtgift - Haschisch und Speed - im Verkaufswert von mindestens 2,8 Mio. Euro von den Niederlanden nach Österreich geschmuggelt wurden, berichtete Sicherheitsdirektor Alois Lißl in einer Pressekonferenz am Freitag in Freistadt. Zehn Hauptdrogendealer wurden festgenommen. Der "erzielte" Gewinn soll zumindest eine Mio. Euro betragen haben.
Der 29-jährige Hauptverdächtige aus dem Bezirk Freistadt im Mühlviertel war schon vor einigen Jahren wegen Suchgifthandels zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Nach seiner Entlassung im Jahr 2000 erfuhr die Exekutive über einen Informanten, dass er "wieder voll im Geschäft" sei. Als wichtige Verdachtsmomente gesammelt waren, wurde im September des Vorjahres eine Ermittlungsgruppe eingerichtet.
Im Februar schließlich schlugen die Beamten zu. Der 29-Jährige, seine Lebensgefährtin und zwei weitere Komplizen wurden festgenommen, auch den beiden Hauptlieferanten konnte das Handwerk gelegt werden. Das Pärchen im Alter von 45 und 47 Jahren soll die Drogen aus den Niederlanden im umgebauten Tank eines Autos nach Österreich geschmuggelt haben.
18-Jähriger nach Konsumation auf Intensivstation
Laut Sicherheitsbehörden ist die Tätergruppe skrupellos vorgegangen. So soll der 29-Jährige einen Arbeitskollegen, der bei ihm Schulden hatte, gedrängt haben, Speed zu organisieren. Dieser führte im Dezember den "Auftrag" aus, der Tatverdächtige verkaufte noch am selben Tag einem damals 18-Jährigen zwei Gramm des ungestreckten Amphetamins. Nachdem es der junge Mann konsumiert hatte, bekam er Gehirnblutungen, fiel ins Koma und liegt seither unansprechbar auf der Intensivstation der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz. Der 29-Jährige soll daraufhin in einem Telefonat, das die Ermittler abhörten, gesagt haben: "Es ist gar nicht so schlecht, wenn er nichts mehr reden kann, dann kann er uns auch nicht verraten."
Zudem sollen er und seine Komplizen beschlossen haben, in großem Stil Speed selbst zu erzeugen. Dafür richtete sie ein Labor im Badezimmer einer Wohnung ein, obwohl es sich wegen der Explosionsgefahr um ein gefährliches Unterfangen handelte. Die Chemikalien beschafften sie sich auf Umwegen. So bestellte der Mühlviertler unter falschem Namen bei einer Firma "Roten Phosphor" als Dünger für "die Stiefmütterchen seiner Mutter", schilderten die Kriminalisten.
Insgesamt wurden bei den Ermittlungen unter anderem noch 11.500 Euro Drogengeld, über sechs Kilo Cannabis und weiteres Rauschgift sichergestellt. Detail am Rande: Einer der Verdächtigen knackte im Jahr 2001 einen Jackpot und gewann über eine Million Euro. Er soll in den vergangenen Jahren mehr als zwei Mio. Euro verbraucht und jetzt 70.000 Euro Schulden haben.
(apa/red)
