Deutsche rasen schneller: Section Control
deckt Ausländer als Temposünder auf!
- Fotos von vorne sollen Nachverfolgung ermöglichen
- Tempo 160 - Gorbach: Erste Teststrecke kommt 2006
Die Autobahngesellschaft Asfinag will deutsche Raser in Österreich einbremsen und baut dafür die abschnittsweise Geschwindigkeitskontrolle (Section Control) um. Weil diese in ihrer Heimat nur dann zur Kasse gebeten werden können, wenn man ihnen nachweisen kann, dass sie tatsächlich Lenker des fraglichen Fahrzeuges waren, will die Asfinag Sünder künftig nicht mehr von hinten, sondern von vorne fotografieren. Der Hintergrund: In manchen Teilen Österreichs machen Ausländer fast zwei Drittel aller ertappten Raser aus.
"Es gibt Regionen in Österreich, wo wir flotte deutsche Lenker haben", sagte Asfinag-Vorstand Franz Lückler. Als Beispiel nannte er die Westautobahn im Abschnitt Haid-Satlett. Dort hat die Asfinag seit der Karwoche eine neue Section Control-Anlage installiert. Bis vor vierzehn Tagen seien dort 3.000 Geschwindigkeitsübertretungen registriert worden. 60 Prozent dieser Lenker seien aus dem Ausland gekommen, erklärte Lückler.
In Österreich haftet in diesem Fall der Fahrzeughalter. Nach dem deutschen Gesetz kann sich dieser aber darauf berufen, dass er es zum fraglichen Zeitpunkt nicht gelenkt hat. Die Polizei muss dann das Gegenteil beweisen. Weil die Asfinag aber bisher nur die Nummerntafel fotografiert hat, war genau das bisher nicht möglich. Von vorne soll jetzt künftig nicht mehr nur das Nummernschild, sondern auch der Lenker abgelichtet werden.
Eine Schonfrist für die Deutschen gibt es allerdings noch. Die neue umgebaute Variante soll zunächst bei einer neuen Anlage in Vorarlberg auf der S 16 westlich von Dalaas getestet werden, und diese wird erst 2006 in Betrieb gehen.
Anlagen haben sich "bestens bewährt"
Bisher hat die Asfinag neben der Section Control auf der Westautobahn ähnliche Anlagen nur in Wien im Kaisermühlen-Tunnel und auf der Südautobahn im Wechsel-Gebiet installiert. Dabei wird die Durchfahrtszeit des Autos bei einem Anfangspunkt und einem Endpunkt gemessen und daraus die Durchschnittsgeschwindigkeit ermessen. Laut Asfinag haben sich die Anlagen "bestens bewährt". Seit Einrichtung der ersten Anlage im Tunnel Kaisermühlen 2003 seien dort keine Unfälle mit Personenschaden mehr registriert worden, so die Autobahngesellschaft.
Insgesamt hat die Asfinag im Vorjahr 58 Mio. Euro an Strafgeldern eingenommen. Die verhängten Strafen im Rahmen der Section Control haben dabei allerdings nur einen verschwindenden Teil ausgemacht. Der Großteil der Strafgelder - rund 30 Mio. Euro - stammt aus herkömmlichen Geschwindigkeitsmessungen und anderen Übertretungen der Straßenverkehrsordnung wie etwa "Drängeln". Bußgelder von Vignetten- und Lkw-Maut-Sündern haben in Summe etwa 20 Mio. Euro ausgemacht. Insgesamt haben die 130 Asfinag-Mautsheriffs im ersten Jahr der Lkw-Maut knapp 60.000 Mautpreller erwischt. Die Mautprellerrate von unter einem Prozent aller Lkw sei aber extrem gering gewesen, betont der Asfinag-Vorstand.
Tempo 160 - Gorbach bekräftigt: Erste Teststrecke kommt 2006
Vizekanzler Infrastrukturminister Gorbach bleibt unterdessen bei seinen Plänen zur Einführung von Tempo 160 auf Autobahnen. Auf einer Teststrecke soll die erlaubte Höchstgeschwindigkeit schon im nächsten Jahr auf 160 km/h hinaufgesetzt werden. Abschnitte der Autobahnen in Oberösterreich seien für eine solche Teststrecke prädestiniert.
Wo genau die Teststrecke eingerichtet wird, steht aber noch nicht fest. Eine Arbeitsgruppe im Verkehrsministerium prüft derzeit noch. Eine Entscheidung soll im Herbst fallen.
Vor allem von Seiten des Koalitionspartners ÖVP waren zuletzt Bedenken gegen Tempo 160 aufgekommen. Verkehrsstaatssekretär Kukacka hatte im Parlament Bedenken geäußert, dass die Geschwindigkeitserhöhung eine zusätzliche Gefährdung in der Verkehrssicherheit bzw. für die Umwelt bedeuten könnte. Gorbach hatte daraufhin betont, dass er als zuständiger Verkehrsminister alleinig auf dem Verordnungsweg über die Einrichtung einer Teststrecke verfügen könne.
Heftige Kritik an Tempo 160
Grundsätzlich kommt laut Gorbach als Teststrecke nur ein dreispuriges oder gut ausgebautes zweispuriges Autobahnteilstück in Frage. Zudem sei eine flexible Geschwindigkeitsanzeige nötig, um auf die Verkehrs- und Wetterlage reagieren zu können. Bis 2010 soll die Installation der Verkehrsbeeinflussungsanlagen österreichweit abgeschlossen sein - Kostenpunkt 300 Mio. Euro.
Heftige Kritik an der Tempo-160-Idee des Verkehrsministers gab es vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Der VCÖ warnte, dass diese Tests Menschenleben gefährden. Eine VCÖ-Studie zeige, dass sich durch Tempo 160 auf den in Frage kommenden Strecken die Zahl tödlicher Unfälle verdoppeln werde. Der VCÖ wies zudem darauf hin, dass Fahrzeuge mit Tempo 160 um 21 Prozent lauter sind als mit Tempo 130 km/h. (apa/red)
