"Heuschrecken"-Debatte: Gusenbauer kritisiert "Auswüchse" des Kapitalismus
- "Misstrauen gegenüber derzeitiger Form des Wirtschaftens"
- Haider: "SP hat Thema der Globalisierung verschlafen"
Kritik an den Nachteilen und Gefahren der schrankenlosen Wirtschaft kommt nun auch von SPÖ-Chef Gusenbauer. "Es gibt Auswüchse, die für die Menschen einfach nicht mehr verständlich sind. Das Misstrauen gegenüber der derzeitigen Form des Wirtschaftens steigt in ganz Europa, auch in Österreich", so Gusenbauer zur aktuellen Debatte über Kapitalismuskritik und Globalisierung.
"Wenn erfolglose Manager mit Millionen-Euro-Abfertigungen bedacht werden, wenn höchst Gewinn bringende Unternehmen, die gerade historische Höchstgewinne vermelden, als Konsequenz ankündigen, dass mehrere tausend Leute rausgeschmissen werden, führt das bei vielen Menschen zu Unverständnis", meint Gusenbauer.
Losgetreten wurde die Kapitalismusdebatte in Deutschland von SPD-Chef Müntefering. Dieser hatte im Wahlkampf für die nach Meinungsumfragen vor dem Fall stehende SPD-Hochburg Nordrhein- Westfalen unter anderem erklärt, dass ausländische Investoren wie "Heuschreckenschwärme" über die Wirtschaft des Landes herfallen würden und Ödnis zurückließen. Eine Wortwahl, der sich Gusenbauer so nicht anschließen will.
Dass österreichische Firmen wie die OMV, Wienerberger, Böhler Uddeholm oder auch Hannes Androschs AT&S von der Globalisierung profitieren, stört Gusenbauer keineswegs. Die positiven Effekte würden hier eindeutig überwiegen.
Dass die Politik der Globalisierung in Wahrheit ohnmächtig gegenüber stehe und es im internationalen Wettbewerb wenig politische Gestaltungsmöglichkeit gebe, glaubt der SPÖ-Chef nicht. Die Schuld für die gegenwärtige Entwicklung sieht er nicht bei Wirtschaft und Kapitalismus, sondern bei der Politik, die für die Schaffung der Rahmenbedingungen verantwortlich sei.
Haider gegen "rote Chaos-Politik"
Negativ reagiert hat der Kärntner Landeshauptmann und BZÖ-Chef Jörg Haider auf die Feststellungen und Vorstellungen des SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer zu den Gefahren der schrankenlosen Wirtschaft. Gusenbauer habe "erstens das Thema der Globalisierung völlig verschlafen" und gebe zweitens "die falschen Antworten auf deren Probleme", meinte Haider am Donnerstag gegenüber der APA. Gleichzeitig warf er dem SPÖ-Chef vor, er wolle "durch die Hintertür Steuererhöhungen einführen".
"Gusenbauer will, dass die rote Chaos-Politik Deutschlands in Österreich Einzug hält", bescheinigte Haider dem SPÖ-Vorsitzenden. Dieser sollte sich aber die Kommentare vieler internationaler und vor allem deutscher Zeitungen und Zeitschriften vor Augen halten, in denen ganz klar die Meinung vertreten werde, dass "Österreich heute das bessere Deutschland" sei.
Als hauptverantwortlich für diese Entwicklung bezeichnete Haider die von den Freiheitlichen in der Bundesregierung vehement forcierte Steuerreform, welche Österreich "auf die Überholspur gebracht hat". Haider: "Eine Rückkehr in die sozialistische Politik des Schuldenmachens und der Steuererhöhungen werden wir sicher nicht zulassen."
"Erfreut" zeigte sich Haider hingegen über die Feststellung Gusenbauers, dass die Manager internationaler gewinnträchtiger Unternehmen zu hohe Abfertigungen kassierten und gleichzeitig Tausende Mitarbeiter entlassen würden. "Spät aber doch" habe auch de SPÖ-Chef erkannt, dass "hier einiges im Argen liegt". Er selbst zeige schon lange auf, dass Konzerne und ihre Manager sich von Jahr zu Jahr intensiver auf Kosten ihrer Mitarbeiter bereichern würden, betonte der BZÖ-Chef: "Es ist hoch an der Zeit, hier eine Grundsatzdebatte zu führen und Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer zu setzen." (apa)
