Mittwoch, 18. Mai 2005

Gorbachs Zukunft in der Kritik: Grüne sehen "massive Interessenskonflikte"

  • "Die einzig saubere Lösung ist der sofortige Rücktritt"
  • Parlamentarische Anfrage an den Verkehrsminister

Die Grünen werfen Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) angesichts des von ihm in Aussicht gestellten Wechsels in die Firmengruppe des Touristik-Unternehmers Walter Klaus "massive Interessenskonflikte" vor. "Die einzig saubere Lösung in diesem Interessenskonflikt ist der sofortige Rücktritt", heißt es in einer parlamentarischen Anfrage der Grünen an den Vizekanzler. Währenddessen stehen die Regierungsmitglieder hinter Gorbach. Sie sehen in den Zukunftsplänen des Vizekanzlers "kein Problem".

Sie verweisen darauf, dass die Interessen eines Touristik- und Seilbahnunternehmers legitimerweise auf die Erhöhung von Gewinnen abzielen. "Diese Interessen angesichts eines angekündigten beruflichen Wechsels zu dieser Gruppe zu unterstützen widerspricht aber krass Ihrer Funktion als Vizekanzler und Verkehrsminister der Republik Österreich".

Als Mitglied der Vorarlberger Landesregierung sei Gorbach für das Seilbahnwesen zuständig gewesen. Während dieser Amtszeit seien eine Reihe von Vorhaben der Silvretta-Nova-Bergbahnen AG von Klaus genehmigt worden. Dass mit dem angedachten Verkauf der Bodenseeschiffs-Flotte der ÖBB, für die Gorbach jetzt als Verkehrsminister zuständig ist, gleich auch die Silvretta-Nova-Gruppe auftauchte, ergänzt für die Grünen dieses Bild.

Konkret wollen die Grünen in der Anfrage wissen, ob Gorbach als Mitglied der Landesregierung die Silvretta-Nova-Gruppe "mit mehreren großzügigen Genehmigungen für Ausbau- und Erweiterungsprojekte bedacht" habe. Weiters fragen sie den Verkehrsminister, ob beim geplanten Verkauf der Bodenseeschifffahrt die Silvretta-Nova-Gruppe in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Bekanntwerden der Verkaufsabsichten als Interessentin auftrat. Die Grünen verweisen auch darauf, dass Gorbach selbst Walter Klaus als eine "guten Freund" bezeichnet hat. Schließlich wollen sie vom Vizekanzler wissen, wann er "die erforderlichen Konsequenzen aus diesen eklatanten Interessenskonflikten ziehen" werde.

Regierungsmitglieder sehen keine Probleme
Keine Probleme sehen die Regierungsmitglieder in der Ankündigung von Hubert Gorbach, nach dem Ende der Legislaturperiode möglicherweise in die Privatwirtschaft zu wechseln.

Gorbachs Parteikollege Sozialstaatssekretär Sigisbert Dolinschek meinte, dass jeder die Freiheit haben soll, selbst zu entscheiden, was er tut und warb um Verständnis. Wenn jemand in der Politik bleiben wolle, spreche man von Sesselklebern, wolle jemand wechseln, heiße es sofort Unvereinbarkeit. Eine solche sieht Dolinschek nicht: Er wisse nicht, ob Gorbach mit der Firma unmittelbar zu tun habe. Es sei aber nahe liegend, dass man mit jenen Firmen spreche, die "man kennt".

Die stellvertretende BZÖ-Chefin Justizministerin Karin Miklautsch sieht grundsätzlich kein Problem. Die Vorgangsweise des Vizekanzlers hält sie aber für "nicht so gescheit", wie sie hinzufügte.

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein geht davon aus, des Gorbach weiß, "was er zu tun und was er zu lassen hat". An keine rechtliche Unvereinbarkeit glaubt Gorbachs Infrastrukturstaatssekretär Helmut Kukacka. Er habe keine Zweifel, dass sich der Vizekanzler an die Gesetze halte. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer meinte ebenfalls, die Entscheidung sei Sache des Vizekanzlers. Zur öffentlichen Ankündigung meinte sie aber: "Ich würde es nicht machen." Und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat meinte lediglich: "Das ist seine Sache, ich mische mich da nicht ein."
(apa/red)

18.5.2005 10:52