Mittwoch, 18. Mai 2005

ÖGB-Präsident Verzetnitsch ist 60: Vom Installateur zum Anführer der Abwehrstreiks

  • 18 Jahre an der Spitze: Unumstritten wie nie zuvor
  • Gewerkschafts-Boss hat eine steile Karriere hinter sich

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch wird heute 60. 18 Jahre ist er nun im Amt, Nationalratsabgeordneter seit 19 Jahren - und erstaunlicher Weise unumstrittener denn je. Das kommt einerseits daher, dass sich seine internen Kontrahenten mit dem Platzen der großen Gewerkschaftsfusion selbst geschwächt haben, und liegt andererseits daran, dass der als konfliktscheu verschriene Langzeitpräsident bei den Streiks 2003 erstmals Kampfkraft demonstrieren konnte und so einen gewissen Imagewechsel eingeleitet hat.

Verzetnitsch ist von seiner Laufbahn her ein klassischer Gewerkschafter. Als gelernter Gas- und Wasserleitungs-Installateur setzte er mit 25 einen ersten kleinen Schritt in die Politik - als Angestellter im Jugendreferat des ÖGB. Von da an ging's steil bergauf - Jugendsekretär mit 28, Leitender Sekretär mit 38, Präsident mit 42 und Europäischer Gewerkschaftspräsident mit 45. Nebenbei nahm Verzetnitsch noch Mandate in Bundes- und Nationalrat mit, saß im ORF-Kuratorium und ließ sich im SPÖ-Präsidium nieder.

Eigentlich sollte man bei so einer Karriere erwarten, dass es sich beim Betroffenen um einen ordentlichen Machtmenschen handelt, dem allerorten Respekt und ein wenig Ehrfurcht entgegengebracht wird. Bei Verzetnitsch ist es anders. Schon bei seiner Kür galt der Nachfolger der Legende Anton Benya als Kompromisskandidat zwischen den großen Einzelgewerkschaften - und angesichts seiner fehlenden Hausmacht machten sich die mächtigen Gewerkschaftschefs wie Hans Sallmutter oder Rudolf Nürnberger auch gar keine Mühe, ihre nicht immer gar so große Wertschätzung für den Präsidenten geheim zu halten.

Ewiger "Jugendsekretär"?
Vorgeworfen wurde ihm immer das selbe, zu konfliktscheu sei er, ewig ein "Jugendsekretär" geblieben, gegenüber dem jeweils amtierenden Wirtschaftskammer-Präsidenten zu nachgiebig - und in bester Innenstadt-Lage lebe er als Arbeiterführer auch noch. Als Verzetnitsch dann zu allem Überfluss am Höhepunkt des Skandals in der Postgewerkschaft - in den kanadischen Bergen wandernd - tagelang medial untergetaucht war und sich ohne sein Wissen um GPA und Metaller eine Großgewerkschaft zu bilden drohte, schien sich die Karriere des ÖGB-Präsidenten im Jahr 2001 eher flott ihrem Ende zuzuneigen.

Anführer der "Abwehrstreiks"
Vier Jahre später ist vieles anders, die Sonne strahlt für den Sechziger wieder deutlich heller. Zu verdanken hat Verzetnitsch seinen Image-Wechsel nicht zuletzt der Koalition. Deren Pensionspläne trieben den ÖGB und mit ihm auch die Leute auf die Straße. Verzetnitsch als Anführer der "Abwehrstreiks" konnte jetzt keiner mehr als Zauderer bezeichnen, entsprechend flaute die Kritik am begeisterten Radfahrer, Inline-Skater und Eisläufer ganz schnell ab. Und sogar von der Regierung und der Wirtschaftskammer wird der Vater einer erwachsenen Tochter weiter gemocht.

Wie lange Verzetnitsch seinen Job noch macht, vermag keiner zu sagen, weil es der Präsident selbst nicht sagt. Beim letzten ÖGB-Kongress war er mit 93 Prozent der Delegiertenstimmen jedenfalls eindrucksvoll bestätigt worden, und inzwischen haben sich seine Hauptkontrahenten bei Metallern und GPA durch das Platzen ihrer Fusion auch nicht gerade gestärkt.

Folgerichtig betrachtet man das Wirken des Präsidenten bei den beiden "Großen" im ÖGB derzeit recht milde: "Es hat schon mal schlechtere Tage gegeben", schildert man bei den Metallern das aktuelle Verhältnis zu Verzetnitsch und in der GPA heißt es zur gleichen Frage: "Es ist nicht so schlecht" - und dies obwohl man im ÖGB über den machtbewussten neuen Privatangestellten-Chef Wolfgang Katzian gar nicht begeistert sein soll.

(apa/red)

18.5.2005 10:14