"Ich war am Arbeitsstrich"
- Aufgedeckt: Der Handel mit der Ware Mensch

Die miesen Deals der Baumafia: Keine Löhne, keine Steuern: Das Geschäft mit illegalen Bauarbeitern kostet Österreich jährlich eine Milliarde Euro.
Undercover am Wiener Arbeitsstrich: NEWS-Reporter auf Jobsuche am Tatort Triester Straße: Fünf Euro Schwarzgeld pro Stunde für Arbeit am Bau.
Aufgedeckt: Das Geschäft mit illegalen Bauarbeitern floriert. NEWS recherchierte die Hintergründe des Millionenbetrugs der Baumafia.
Die Szenerie an der Wiener Triester Straße ähnelt frühmorgens längst vergessenen Bildern aus den 30er Jahren. Dutzende Männer stehen am Gehsteig, manche sogar mit selbst gemalten Schildern in den Händen. Suche Arbeit, mache alles steht darauf. Ab 5.00 Uhr früh herrscht Hochbetrieb am größten Schwarzarbeiterstrich Österreichs.
Frühmorgens, Triester Straße. Das Schauspiel, das hier seit einigen Jahren täglich in fast gleicher Besetzung zur Aufführung kommt, dauert nicht länger als eine Stunde. Die Darsteller: am Gehsteig Dutzende junge Männer aus Serbien, der Ukraine, Moldawien, leger gekleidet, mit Taschen und Rucksäcken in den Händen, nebeneinander aufgereiht wie Tiere bei der Auktion.
In den Lieferwagen die Käufer, oft im Maureranzug, immer in Eile. Laute Rufe: Wer ist Maurer? Wer kann Fliesen legen? Was folgt, hat Routine: Gruppenweise werden die Autos bestiegen. Fahrzeuge, die nicht selten die Aufschriften von bekannten Baufirmen tragen.
Die Schicht: 12 Stunden und mehr. Der zweite Akt findet nicht länger als eine Fahrstunde von der Triester Straße statt. Die Wagen halten vor Baustellen, irgendwo in Wien oder Niederösterreich. Die jungen Männer haben jetzt ihre Arbeitskluft übergestreift, stemmen, schuften, schleppen. Ohne Mittagspause, ohne Helm, immer angetrieben von hektischen Vorarbeitern. Gearbeitet wird oft zwölf Stunden und mehr. Tag für Tag, Woche für Woche. Für versprochene fünf Euro. Auf die Hand, ohne Steuern. Doch oft gibt es für die jungen Männer nicht einmal diesen Hungerlohn. Denn die Baumafia kennt keine Gnade.
Arbeitslose und Illegale werden ausgebeutet. Goran M. (Name von der Redaktion geändert), 26, Wiener, von Beruf Bauarbeiter, tappte in die Jobfalle der Baumafia. Vor zwei Jahren verlor er seinen Job. Seither ist er arbeitslos. Ein Schicksal, dass er mit rund 60.000 seiner Kollegen teilt. Ich habe einfach keinen neuen Job mehr gefunden, sagt er. Und dann habe ich in einem Café in Favoriten eine interessante Bekanntschaft gemacht.
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