Mittwoch, 11. Mai 2005

Wir sind Rot Weiß Rot - 15. Mai: 50 Jahre Staatsvertrag: Österreich, eine Erfolgsstory

  • Was wir an Österreich lieben und was wir hassen
  • Das ambivalente Verhältnis der Österreicher zur Nation.

Österreich, eine Erfolgsstory: Geliebt und gehasst, viel gelobt – und stets heftig kritisiert.

Es war in einem britischen Kriegsgefangenenlager in Süditalien, und „das Erste“, was der damals ganz junge Fritz Muliar tat, war, roten und weißen Stoff zu besorgen: „Wir haben eine rotweißrote Fahne genäht und aufgehängt, und da ist ein Wunder passiert. Es standen etwa 10.000 Mann um diese Fahne herum, es war Waffenstillstand, noch kein Friede, und der Älteste war über sechzig, und der Jüngste war knapp über fünfzehn, und von den 10.000 Mann haben meiner Schätzung nach 8.523 geweint.“ Der später be-rühmt gewordene Schauspieler betrachtet diese Stunde „immer wieder als Erfüllung meines Lebens“.

Etwas später prägte sich dem Schulbuben Heinz Fischer ein, bis hinein in die Zeit als österreichischer Bundespräsident, wie die Hakenkreuzfahne aus dem Klassenzimmer entfernt und durch eine rotweißrote Fahne ersetzt wurde.
50 Jahre danach. Heimat? Stolz? Vaterland?

Mit dem Wiener Schnitzel und den Lipizzanern tun sich die Österreicher leichter. Wohl ist die Diskussion um die Frage, ob Österreich eine Nation sei, längst ausgestanden. Selbst Jörg Haider, der einst die österreichische Nation „eine ideologische Missgeburt“ nannte, beruft sich heute inbrünstig auf „unsere Eigenstaatlichkeit und unsere Souveränität“. Aber die Gefühle, die Österreicher mit ihrem Land verbinden, sind höchst unterschiedlich.

Der Schauspieler Erwin Steinhauer etwa beschreibt es so: „Ich bin ja nicht einmal ein gemilderter Patriot. Für mich existiert der Begriff Heimat schon deswegen nicht, weil Heimat für mich mein Arbeitszimmer ist mit meinen Bü-chern, wo ich was nachschauen kann, wenn ich etwas nicht weiß. Wenn das Zimmer in Berlin stehen würde, wäre Heimat vielleicht auch Berlin, und wenn ich Gusto hätte nach der Wiener Architektur, dann würde ich nach Wien fliegen und mir das anschauen. Ich fang mit dem Begriff Heimat nichts an. Die österreichische Landschaft liebe ich, nur mit manchen Menschen habe ich Probleme.“

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11.5.2005 15:30