Stadion-Schmiergeldaffäre in München: Viereinhalb Jahre Haft für Wildmoser junior
- Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und Untreue
- Wildmoser: "Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe"
Fast ein halbes Jahr hat er auf der Anklagebank gesessen, 14 Monate in Untersuchungshaft. Jetzt wirkt Karl-Heinz Wildmoser junior erleichtert. Denn trotz der Verurteilung zu vier Jahren und sechs Monaten Haft kann der ehemalige Stadionmanager und Macher beim Traditionsverein TSV 1860 München das Gericht zunächst auf freiem Fuß verlassen. Der Haftbefehl wurde gegen Kaution von 250.000 Euro außer Vollzug gesetzt.
Zwei Wochen vor der Eröffnung des Münchner Fußballstadions "Allianz Arena" ist damit der erste Schmiergeldprozess um die Auftragsvergabe beendet. Der Skandal hatte die Fußballwelt erschüttert, Vater Karl-Heinz Wildmoser senior musste im Zuge der Affäre sein Amt als Löwen-Präsident niederlegen.
"Wir gehen auf alle Fälle in die Revision", kündigt Wildmoser nach dem Urteil an, als sich die Presse um ihn schart. "Gegen mich hat es kein faires Verfahren gegeben." Und: "Das Stadion ist nur realisiert worden auf Grund meiner Arbeit und meiner Leistung. Dafür wird man dann eingesperrt."
Wildmoser junior hatte als Ex-Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion GmbH sowie Mitglied des Gutachtergremiums für die Vergabe zusammen mit einem Jugendfreund 2,8 Mio. Euro kassiert. Dafür habe Wildmoser Einfluss auf die Auftragsvergabe an die österreichische Baufirma Alpine genommen und vertrauliche Informationen weitergegeben. Das Gericht sprach den 41-Jährigen daher der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und der Untreue schuldig. Wildmosers mitangeklagter Schulfreund bekam wegen Beihilfe zwei Jahre auf Bewährung. Ausgerechnet auf das Geständnis dieses langjährigen Jugendfreundes stützt sich das Gericht zu großen Teilen.
"Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe"
"Der Angeklagte ist für das Gericht auf ganzer Linie glaubwürdig", unterstrich die Richterin Huberta Knöringer. Anders als Wildmoser, der seine ersten Aussagen später revidiert hat und bis zuletzt von legalen Provisionen gesprochen hat. In seinem Schlusswort bleibt Wildmoser bei zwei knappen Sätzen. Er habe in dem Verfahren stets versucht, zur Aufklärung des Sachverhalts beizutragen. Und: "Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe."
Bis zuletzt bleiben auch die Anwälte bei der Unschuld ihres Mandanten. "Das Geld ist nicht gebraucht worden, um sich einen Ferrari zu kaufen, sondern um eine Familienfirma aus den Miesen zu bringen", ergänzt der CSU-Politiker Peter Gauweiler, der Wildmoser verteidigt.
Staatsanwalt Gerhard Köstler wertete das große öffentliche Interesse, unter dem Wildmoser sehr gelitten habe, als strafmildernd. Daran habe er aber auch selbst Schuld gehabt. "Er hat sich einen Verteidiger gesucht, von dem nicht zu erwarten war, dass er in der Öffentlichkeit den Ball niedrig halten würde."
Verurteilung wegen Treuebruch und Bestechlichkeit
Das Stadion ist so gut wie fertig gebaut, doch die gerichtliche Aufarbeitung der Affäre ist noch lange nicht beendet. Neben der erwarteten Revision läuft eine Zivilklage der Stadiongesellschaft, die von ihrem Ex-Geschäftsführer Schadenersatz will. Im Gegenzug klagt die Alpine, um feststellen zu lassen, dass für der Allianz Arena München Stadion GmbH keine Schaden entstanden ist. Und gegen den Geschäftsführer der Alpine, Dietmar Aluta, steht in den nächsten Wochen eine Anklage bevor. Gauweiler: "Die Befassung mit dem Stadion hat mit dem heutigen Tag die Halbzeit erreicht."
Für die zwei Tatbestände (Treuebruch und Bestechlichkeit), für die Wildmoser verurteilt wurde, gäbe es in Österreich keine parallele Strafbestimmung, erklärte die Salzburger Baufirma Alpine am Freitagabend. "Es gibt daher keinen Grund mehr, das Verfahren in Österreich gegen mich nicht einzustellen" zeigte sich Alpine-Geschäftsführer Dietmar Aluta in einer Mitteilung an die APA "erleichtert". (apa/red)
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