Androschs smarter Erbe: Schwiegersohn Sommerer ab 1. Juli an der AT&S-Spitze
- Bisheriger Finanzvorstand übernimmt Unternehmen
- FORMAT: 38-Jähriger seit 1996 im High-Tech-Konzern
Wachablöse an der Spitze von AT&S: Ab 1. Juli führt Harald Sommerer, der Schwiegersohn von Hannes Androsch, den High-Tech-Konzern. Ganz in der Manier von Hannes Androsch, der mit 32 Jahren Finanzminister wurde, legte Harald Sommerer eine Blitzkarriere hin. Lesen Sie weiter: Harald Sommer im ausführlichen FORMAT-Porträt!
Beim letzten großen Auftritt wirkte Willibald Dörflinger, 55, noch entspannter als sonst. Freundlich lächelnd präsentierte der langjährige Vorstandschef des börsennotierten Leiterplattenherstellers AT&S einen Umsatzrekord in Höhe von 332 Millionen Euro und einen Gewinnsprung von gleich 75 Prozent.
Bilanzpressekonferenz wird Dörflinger, ebenso wie Hannes Androsch mit 20 Prozent an AT&S beteiligt, keine mehr leiten. Ende Juni tritt er ab und übergibt seinem Nachfolger einen gut aufgestellten High-Tech-Konzern.
Vom Finanzvorstand an die Spitze
Der Mann, der am 1. Juli das Erbe antritt, ist Harald Sommerer, 38, Schwiegersohn von Androsch und bisher AT&S-Finanzvorstand. Zeit, sich auf den guten Ergebnis-sen auszuruhen, wird der Jungstar nicht haben. Trotz eines Weltmarktanteils von 15 Prozent bei Leiterplatten - Verbindungsteile in elektronischen Geräten - ist das Geschäft der AT&S schwierig, vor allem in Europa. Sommerer muss sich noch stärker auf Asien konzentrieren und ein paar Konkurrenten schlucken, will das Unternehmen weiter wachsen. Dörflinger ist zuversichtlich: "Sommerer ist ein guter internationaler Manager und wird diese Aufgaben bewältigen."
Ganz in der Manier von Hannes Androsch, der mit 32 Jahren Finanzminister wurde, legte Harald Sommerer eine Blitzkarriere hin. Nach dem Studium der Handelswissenschaften in Wien heuerte der damals 24-jährige Sohn eines Wiener Gymnasialprofessors als Trainee bei der Creditanstalt an. Ein Doktorat über "Finanzinnovationen" und ein MBA-Studium in Chicago folgten. "Er stach heraus, wir hätten ihn gern behalten", sagt sein früherer Chef bei der CA, Friedrich Hondl.
Mit nicht einmal 30 in den Vorstand
Das für Sommerers Aufstieg entscheidende Treffen mit Dörflinger fand dann aber 1996 in Androschs Haus in Altaussee statt. Der AT&S-Boss war von dem Jungakademiker begeistert und holte den noch nicht 30-Jährigen als Finanzvorstand. Androsch: "Ich hatte nicht nachgeholfen, aber auch nichts dagegen."
Ganz reibungslos lief die Sache dennoch nicht. "Anfangs hatte er es als Schwiegersohn in der Firma nicht leicht, weil es viele Neider gab", erinnert sich Dörflinger heute. "Das ist aber kein Thema mehr. Er hat sich längst emanzipiert. Führen muss er und nicht ich", stellt Androsch fest. Ironischer Nachsatz: "So eine Chance ist das auch wieder nicht, mein Schwiegersohn zu sein."
Verheiratet mit Androschs jüngster Tochter
Der sportbegeisterte Sommerer ist mit Androschs jüngster Tochter, Natascha, ebenfalls WU-Absolventin, verheiratet. Das Paar hat drei Söhne, Natascha ist hauptberuflich Mutter. Sommerer: "Ich bin keine Kopie Androschs, sondern gehe meinen eigenen Weg." Auf eine Jahresgage von zuletzt 478.000 Euro und eine noble Villa in Wien-Döbling hat er es durch eigene Leistung gebracht.
Ein etwas anderer Wind wird in der AT&S künftig schon wehen. Techniker Dörflinger stammt aus der Gegend der steirischen Produktionsstätten, ist mit der Region und den Mitarbeitern persönlich verbunden - auch wenn er nicht verhindern konnte, dass das Werk in Fohnsdorf heuer schließt und 365 Leute dann nach Leoben müssen.
Lesen Sie im aktuellen FORMAT, wie Sommerer gesehen wird und welche Aufgaben auf ihn zukommen!
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