Neue Eigentümer für Wienerwald: FORMAT
hat alle Details zur neuerlichen Übernahme
- Wie Eigentümer dem Hahn Flügel verleihen wollen
- PLUS: Aufsteieg und Fall des Geflügelimperiums
·Aufstieg & Fall des Geflügel-Imperiums
Gründung 1952, 1,7 Mrd. Schilling Schulden 1982
Der krisengeschüttelte Traditionsbetrieb Wienerwald hat wieder neue Eigentümer. Wie sie dem grünen Hahn Flügel verleihen wollen und wer den Deal wirklich finanziert.
Durchschnittlich zweimal die Woche beißt Franz Kainz in ein Stück knuspriges Brathendl - bis jetzt. "In Zukunft wird das sicher noch ein bisschen häufiger der Fall sein", lacht Kainz. Denn der Steirer ist der neue Eigentümer der österreichischen Wienerwald-Kette.
Rund ein Dreivierteljahr soll der frühere Gastrochef von Casinos Austria um das Unternehmen gefeilscht haben - dann hatte er den Hahn im Korb: Kainz ist nun stolzer Besitzer der 21 österreichischen Filialen. Zwei Hotels und ein markenfremdes Restaurant gehören ebenfalls zum Unternehmen.
Erfahrung im Geschäft mit den hungrigen Mägen der Österreicher hat der neue Eigentümer jedenfalls genug: Von den Casinos wechselte er zur Eurest, bevor er sich 2000 also "Gastronomieberater" selbständig machte. Den Wechsel zurück ins operative Geschäft begründet er mit "dem guten Image, das Wienerwald bei den Österreichern trotz aller Schwierigkeiten immer noch hat. Es war einfach eine optimale Gelegenheit."
Neuer Eigentümer von Erfolg überzeugt
Dass er sich am Hühnergrill die Finger verbrennen könnte, glaubt der Neoboss nicht, im Gegenteil: "Wir werden die Marke forcieren und so den Verkauf gehörig ankurbeln", versprüht Kainz Optimismus - und das, obwohl sich für seine Vorgänger das Geschäft mit den Gummiadlern als eher zäh erwiesen hat: Anfang der achtziger Jahre beschäftigte das Unternehmen noch 27.000 Mitarbeiter in über 1.500 Filialen weltweit. Danach ging's rasant bergab (siehe Kasten.) Firmengründer Friedrich Jahn übernahm sich mit der Expansion, das Hendlimperium wurde zerschlagen und wechselte mehrfach den Besitzer. Zuletzt schlitterte man 2002 in den Ausgleich.
Massivstes Problem in den letzten Jahren: Die vermeintliche Umsatzlokomotive Grillhendl entpuppte sich in Zeiten zunehmender Fastfoodkonkurrenz eher als lahme Ente. 17,93 Millionen Euro Umsatz verbuchte man 2004 - 1,3 Millionen weniger als im Jahr zuvor.
Neue Ausrichtung
Grund genug für den neuen Boss, die Ausrichtung des Unternehmens zu modifizieren: Wienerwald will in Zukunft verstärkt auf Hauszustellung setzen. "Im Augenblick machen wir etwa 11 Prozent unseres Umsatzes mit Home Delivery. Ich halte es für realistisch, dass sich in wenigen Jahren Zustellung und Gassenverkauf in etwa die Waage halten." Als Umsatzziel nennt Kainz langfristig 20 bis 22 Millionen Euro. "Allerdings basiert diese Rechnung auf dem bestehenden Filialnetz. Wenn wir weiter ausbauen und das Zustellgeschäft ordentlich anspringt, kann's natürlich deutlich mehr werden."
Dass sich Kainz überhaupt Gedanken über die Profitabilität des Grillgeflügels machen kann, verdankt er vor allem einem Mann: Harald Fischl. Der einstige FP-Nationalratsabgeordnete, GAK-Präsident und Begründer des "Club Jörg" sprang als Financier ein. "Ich habe meinen langjährigen Freund Franz Kainz lediglich bei der Finanzierung unterstützt, um den Geschäftsabschluss zu ermöglichen", übt sich Fischl in demonstrativer Bescheidenheit und verweist auf "Synergieeffekte" mit seiner Kräutergarten GmbH, die private Seniorenheime betreibt. Auf Nachfrage räumt er aber ein, "dass ich als Shareholder natürlich gewisse Rechte habe, die ich im Bedarfsfall wahrnehmen könnte. Schließlich bin ich haftbar." Dennoch sei sein Engagement kein langfristiges - sobald die eingebrachten Mittel refinanziert seien, wolle er sich aus dem Hendlbiz zurückziehen.
Einer, der sich vom Geflügel offenbar nicht trennen kann, ist Vorbesitzer Christian Ziegler, der Wienerwald nach dem Ausgleich Anfang 2003 erworben hat. Ziegler sicherte sich beim aktuellen Deal alle Rechte an der Marke Wienerwald - Neochef Franz Kainz agiert als Lizenznehmer. "Die Motivation für mein Engagement bei Wienerwald war der Markenerhalt. Jetzt ist das Unternehmen konsolidiert, es gibt nichts mehr zu tun für mich", erklärt Ziegler, der 2004 erstmals wieder die Verlustzone verlassen konnte. "Aber die Weiterentwicklung der Marke empfinde ich als wahnsinnig reizvolle Aufgabe."
Der Retter des Hendlkonzerns will das österreichische Grillgeflügel nun auch im Osten etablieren: Im kommenden Jahr soll der Probebetrieb in Prag und Bratislava aufgenommen werden. Der grüne Hahn flattert nun also gen Osten.
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