Freitag, 13. Mai 2005

"Rücksicht steht nicht im Vordergrund": AUA-Boss Soerensen im FORMAT-Interview

  • "Wir weichen mehr Richtung kleinerer Ziele aus"

AUA-Boss Soerensen über härtere Konkurrenz nach Osteuropa und gerechtere Verteilung.

FORMAT: Herr Soerensen, neben anderen Problemen steigt auch noch die Konkurrenz nach Osteuropa, wo Sie noch Geld verdienen. Der Allianzpartner Lufthansa hat neue Flüge von München angekündigt.

Soerensen: Der Wettbewerb nimmt zu, keine Frage. Aber wir sind immer noch Marktführer nach Osteuropa und genießen den Vorteil des First Movers. Wir haben 30 Destinationen, die die Lufthansa nicht anfliegt.

FORMAT: Ist es nicht so, dass der große Bruder immer weniger Rücksicht auf die Austrian nimmt?

Soerensen: Rücksicht steht in unserer Branche nicht im Vordergrund. Der Wettbewerb ist knallhart. Dennoch ist die Kooperation mit der Lufthansa eng und gut - auch was die Abstimmung nach deren Beteiligung mit der Swiss betrifft.

FORMAT: Auch Air France und KLM drängen stärker ins Ostgeschäft.

Soerensen: Bei größeren Destinationen wie Prag oder Bukarest wird es härter. Deshalb weichen wir mehr Richtung kleinerer Ziele aus. Wir haben etwa 100 Destinationen im Osten in der Pipeline, die nach und nach reif werden könnten. Wenn wir kleinere Maschinen einsetzen, reichen oft 30 Passagiere, um Geld zu verdienen. Das ist eine Strategie, die noch zehn Jahre funktionieren wird.

FORMAT: Werden Flugtickets im Schnitt auch 2005 wieder billiger?

Soerensen: Der Preisverfall vor allem in Europa dauert an, bremst sich aber ein. Nach sieben Prozent Rückgang der Durchschnittserlöse im Vorjahr rechnen wir heuer mit minus drei Prozent.

FORMAT: Glauben Sie nach dem neuerlichen Rückschlag noch, dass die AUA langfristig als eigenständiger National Carrier überleben kann?

Soerensen: Das ist unser Ziel, dafür arbeiten wir. Ich bin sehr optimistisch.

FORMAT: Aufsichtsräte scheinen sich Sorgen zu machen, wenn sie von einem nationalen Schulterschluss unter Einbindung von Flughafen, OMV - als Spritlieferant -, Politik usw. sprechen.

Soerensen: Wir brauchen eine gerechtere Verteilung der erwirtschafteten Leistung. Von dem, was wir tun, profitiert die Wirtschaft, der Standort, profitiert Österreich. Aber wir kriegen davon wenig bis gar nichts. Wir brauchen auch effiziente Unterstützung durch die Politik, denn ein eigenständiger Netzwerk-Carrier ist eine nationale Angelegenheit.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT!

13.5.2005 09:55