Schröder happy: Deutsche Wirtschaft wächst so stark wie seit vier Jahren nicht
- Getragen vom Export legte Bruttoinlandsprodukt zu
- Experten sehen aber kein Anspringen der Konjunktur
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Getragen vom Export ist die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn so stark gewachsen wie seit vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte saison- und kalenderbereinigt in den ersten drei Monaten real um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Deutschland übertraf damit deutlich das Wachstum in der Euro-Zone, das im ersten Quartal 0,5 Prozent betrug. Wie Statistische Bundesamt in Wiesbaden weiter berichtete, bleiben die Aussichten für das Gesamtjahr in Deutschland wegen der schwachen Nachfrage unter den Verbrauchern und der geringen Investitionstätigkeit der Firmen aber verhalten.
Von einem Aufschwung oder einem Anspringen der Konjunktur wollten die Experten nicht sprechen. Das Ergebnis sei durch die Bereinigung um Arbeitstage statistisch überzeichnet, berichtete die Commerzbank und sprach von einem langsamen Erholungskurs. Im vierten Quartal 2004 war die Wirtschaft noch um 0,1 Prozent geschrumpft. Einige Volkswirte, etwa von der Dresdner Bank/Allianz-Gruppe, revidierten ihre Prognosen für das Gesamtjahr nach oben. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten erst kürzlich ihre Prognose für 2005 von 1,5 auf 0,7 Prozent halbiert, die Bundesregierung hatte ihre Schätzung von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach wegen des leichten Anstiegs der Investitionen von einer Verbreiterung des Wachstums. "Es geht klar aufwärts", sagte Clement in Berlin. Er sei zuversichtlich, dass das Wachstum bald mehr Beschäftigung bringen werde. Die Zahl der Erwerbstätigen lag laut Clement im ersten Quartal 2005 um rund 200.000 Personen über dem Vorjahresniveau. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, warnte dagegen vor allzu großen Hoffnungen. "Über den Rest des Jahres dürfte sich die wirtschaftliche Dynamik abschwächen", sagte Weber in Köln.
In den ersten drei Monaten wurde das Wachstum nach Angaben der Statistiker ausschließlich vom Export getragen. Die Ausfuhren lagen knapp fünf Prozent über dem Vorjahr. "Mit dem guten Ergebnis stellt die deutsche Exportwirtschaft ihre international gestiegene Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis", kommentierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Entwicklung. "Die deutsche Konjunktur hat ihren Winterschlaf beendet."
Dagegen blieb die Binnenkonjunktur weiter schwach. "Der private Konsum ist nach unten gegangen und hat nicht zum Wachstum beigetragen", sagte ein Statistiker. Auch die staatlichen Konsumausgaben und die Bau-Investitionen stagnierten. Der Einbruch beim Bau erklärt sich aus dem harten Winter. Lediglich die Unternehmen investierten mehr in Ausrüstungen und sonstige Anlagen.
Ein solch kräftiges Wachstum wie zu Jahresbeginn wird sich nach Ansicht der Experten in den nächsten Quartalen nicht wiederholen. Bereits im April schwächte sich die Dynamik wieder ab. Zuletzt war die Wirtschaft Anfang 2001 so stark gewachsen. Der Rest der Euro-Zone startete wesentlich schlechter ins laufende Jahr. Nur dank der Entwicklung in Deutschland beschleunigte sich das Wachstum auf 0,5 Prozent, berichtete die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg. Italien rutschte mit einer Minus-Rate von 0,5 Prozent nach minus 0,4 Prozent Ende 2004 sogar in eine Rezession.
Im Vergleich zum Vorjahr blieb die deutsche Wirtschaftsleistung im ersten Quartal laut Bundesamt unverändert - ohne den Kalendereffekt ergibt sich ein Plus von 1,0 Prozent.(apa/red)
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