Wiener Druckerei Omega muss zusperren:
113 Mitarbeiter verlieren sofort ihren Job!
- Die Mitarbeiter werfen Junior-Chef Misswirtschaft vor
- Rund 7 Millionen Euro Verbindlichkeiten in der Bilanz
Die Wiener Traditionsdruckerei Omega sperrt zu. Nach Konkurseröffnung vor genau einem Monat hat das Handelsgericht Wien der Schließung des Unternehmens zugestimmt. Bereits am Freitag wird die Produktion stillgelegt. 113 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Job, erklärte Masseverwalter Richard Proksch. Die Einrichtung einer Arbeitsstiftung wird noch geprüft, ist aber unwahrscheinlich.
Omega war Marktführer in Österreich bei Durchschreibheften und Lieferbüchern und hat im Formular-Druck unter anderem die Rezept-Scheine für die Gebietskrankenkasse produziert. Nach anhaltend sinkenden Umsätzen war das Unternehmen bereits seit drei Jahren in den roten Zahlen. Zuletzt hat die Firma jedes Monat 150.000 Euro Verlust geschrieben.
Die bisher angemeldeten Verbindlichkeiten liegen bei 2,7 Mio. Euro, allerdings haben sich noch nicht alle Gläubiger gemeldet. In der eigenen Buchhaltung des Unternehmens scheinen dem Vernehmen nach jedenfalls Schulden in Höhe von rund 7 Mio. Euro auf. Die Anmeldefrist endet im Juni. Hauptgläubiger ist die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).
Den Grund für das Scheitern gibt man im Unternehmen dem Junior-Chef, der vor 15 Jahren den Betrieb von seinem Vater übernommen hatte. Der Junior-Chef habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Der Formularmarkt sei weitgehend zusammengebrochen, nachdem heute schon jeder selbst Formulare drucken könne, heißt es aus dem Betrieb.
Auch der Masseverwalter spricht von "strukturellen Problemen". Zwar hat die Beratungsfirma Advicum dazu im Auftrag der BA-CA ein Sanierungskonzept erstellt, dass bei einer Halbierung der Belegschaft einen Fortbestand des Betriebs vorgesehen hätte. Dieses Konzept hätte aber erst bei einem Umsatz ab 500.000 Euro gegriffen. Tatsächlich seien die Erlöse zuletzt jedoch deutlich darunter geblieben, erklärte der Masseverwalter.
Das dies nur auf einen angeblich mutwilligen herbeigeführten Software-Fehler im März dieses Jahres zurückzuführen sei, wie Mitarbeiter dem Firmenchef vorwerfen, glaubt der Masseverwalter nicht. Durch den Ausfall hatte der Betrieb zwar zwei Wochen nicht fakturieren können. Das alleine führe aber noch nicht zu einem Konkurs, meint Proksch.
Der Firmeneigentümer und Junior-Chef strebt jetzt einen Zwangsausgleich an. Ob dieser tatsächlich gelingen wird, hängt laut Masseverwalter vom Wert der Immobilien und davon ab, ob sich die Maschinen ins Ausland verkaufen lassen.
Schafft der Betrieb den Zwangsausgleich, soll er vorerst als reine Handelsgesellschaft unter der Marke Omega mit fünf bis sechs Mitarbeitern weitergeführt werden. Die Markenrechte hat der Junior-Chef dafür zwei Wochen vor Konkurseröffnung bereits an seine Liechtensteiner Privatstiftung überschrieben. Kommt der Zwangsausgleich nicht zu Stande, könnte das Gericht diese Transaktion aber wieder rückgängig machen.
(apa/red)
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