Sonntag, 15. Mai 2005

Rapid weiter auf Meisterkurs: Sieg gegen Bregenz macht Titelkampf zum Wiener Duell

  • Hütteldorfer vs. Bregenz 4:1. GAK nur 1:1 gegen Sturm
  • Rapids Katzer fällt mit Kreuzbandriss acht Monate aus

Den ersten der vier noch verbliebenen Schritte auf dem Weg zum 31. Meistertitel hat Rapid Wien bereits am Samstag getan. Noch-Meister GAK blamierte sich mit einem 1:1 gegen den Tabellen-Achten und Stadtrivalen Sturm und hat nun keine Chance mehr auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Auch die Abstiegsfrage ist so gut wie entschieden. Durch den Punktgewinn der Salzburger in Tirol liegen die Mozartstädter drei Runden vor Schluss mit dem weitaus besseren Torverhältnis neun Punkte vor Bregenz.

Wirklich meisterlich präsentierte sich die Hickersberger-Truppe diesmal jedoch lange Zeit nicht. Nach Traumstart durch Tore von Lawaree (2.) und Hofmann (19., Elfmeter) gerieten die Wiener nach dem Anschlusstreffer durch Hauser (45.) noch einmal ins Wanken. Nach Gelb-Rot für Höller (60.) machte Rapid aber alles klar: Lawaree (78.) und Kincl (82.) machten nach dem 5:0 gegen Salzburg und dem 6:0 gegen Admira den dritten klaren Heimerfolg in Serie klar.

Die Rapid-Fans feierten ihre Lieblinge nach Schlusspfiff mit "Wir werden Meister"-Chören und stürmten - teilweise ausgerüstet mit selbst gebastelten Meistertellern - euphorisch aufs Spielfeld.

Auf dem Rasen in Wien-Hütteldorf spielte sich zunächst das ab, was sich im Vorfeld der Partie auf dem Papier angekündigt hatte. Auf der einen Seite der überlegene Tabellenführer Rapid: mit dem Titel vor Augen, mehr als 17.000 fanatischen Fans im Rücken und dem sechsten Liga-Erfolg in Folge im Visier strotzend vor Selbstvertrauen. Auf der anderen Seite das klare Schlusslicht Bregenz: kurz vor dem Abstieg, im Frühjahr sieglos, mit neun Ausfällen und noch ohne Lizenz ganz nahe dem sportlichen und finanziellen Abgrund.

Bereits nach 78 Sekunden war der Bann erstmals gebrochen. Nach Eckball von Hofmann und Kopfball-Verlängerung von Katzer hatte Lawaree per Kopf aus kurzer Distanz keine Mühe - 1:0. Für den aufblühenden Belgier bereits Treffer Nummer sechs in den vergangenen fünf Partien.

Obwohl Rapid-Coach Hickerberger drei Stammkräfte schonte - Garics, Kulovits und Kienast spielten statt Markus Hiden, Martinez und Kincl - war es für Rapid weiterhin nicht mehr als Trainingsspiel unter Wettkampfbedingungen. Das 2:0 besorgte in der 19. Minute Hofmann. Der Kapitän wurde im Strafraum von Höller attackiert und verwandelte den folgenden Elfmeter souverän selbst.

Katzer fällt acht Monate aus
Danach verfiel Rapid drei Tage vor dem Cup-Halbfinale gegen den GAK eine Spur zu sehr in den Schongang, der letzte Nachdruck fehlte. Der erste Schock nach einer halben Stunde: nach Zweikampf mit Ensrud schied ÖFB-Teamverteidiger Katzer mit Kreuz- und Seitenbandriss im rechten Knie aus. Katzer wurde bereits am Dienstag operiert, ihm droht eine Pause von rund acht Monaten. Nach Markus Hiden, Thomas Burgstaller und Martin Hiden ist der offensivstarke linke Außenverteidiger bereits der vierte Rapid- Abwehrspieler, der in kurzer Zeit einen Kreuzbandriss erlitt.

Nach vergebenen Rapid-Chancen durch Garics (53.), Valachovic (54.) und Kienast (55.) hatte Jakomin das 2:2 auf dem Fuß, doch Payer rettete. Nach Gelb-Rot für Höller war die Sache dann erledigt, Lawaree erhöhte nach Hlinka-Vorlage per Kopf auf 3:1, der eingewechselte Kincl erzielte ebenfalls per Kopf nach Martinez-Corner seinen ersten Treffer seit 9. April.

Für das Hanappi-Stadion ist die Saison damit zu Ende, denn neben zwei Auswärtsspielen (Salzburg, GAK) steht nur noch das Derby im Happel-Stadion auf dem Programm. Das von Hickersberger in "St. Hanappi" umgetaufte Stadion war im Laufe der Saison eine uneinnehmbare Festung: 14 Siege, 3 Remis und 43:11 Tore in 17 Spielen legten den entscheidenden Grundstein zur Meisterparty.

Sturm - GAK 1:1
Der GAK ist als Meister entthront, die geringen Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung des Schachner-Teams hat der Stadtrivale Sturm Graz zerstört. Die Schwarz-Weißen nahmen im 122. Derby mit einem 1:1 (1:0) den "Rotjacken" einen Punkt ab, womit diese bei zehn Punkten Rückstand in den restlichen drei Runden keine Chance mehr haben, Spitzenreiter Rapid einzuholen.

Neukirchner erzielte in der 20. Minute nach schöner Kombination mit Jürgen Säumel den Führungstreffer für Sturm - seinen ersten in der Meisterschaft seit August 2003. Damit verhinderte er ein "shut out" von Keeper Schranz in dessen 100. Bundesliga-Match. Sturm hatte in den ersten 20 Minuten den Ton angegeben, doch nach dem Führungstor riss etwas der Faden.

Der GAK kam immer besser ins Spiel und auch zu den ersten Chancen. Doch gleich drei Mal verhinderte "Aluminium" den Ausgleich: Kollmann traf aus schwieriger Position nur die Stange (28./Amerhausers Nachschuss ging über das Tor), Bazina (34.) traf ebenso nur die Latte wie Kollmann deren Oberkante aus einem Freistoß (67.). Nach dem Wechsel diktierte der GAK klar das Geschehen, kämpfte um die zwei Treffer, die nötig gewesen wären, um im Titelrennen zu bleiben.

Doch ein Ehmann-Kopfball strich nur haarscharf über das Tor (81.), ein Schuss des eingewechselten Plassnegger ging knapp am langen Eck vorbei. GAK-Keeper Schranz musste zwei Mal retten - gegen Schüsse von Neukirchner (51.) und Dag (74), ehe Kapitän Ehmann im Finish der regulären Spielzeit nach Plassnegger-Zuspiel das 1:1 (89.) gelang. Sturm rettete in der hektischen Nachspielzeit das glückliche Remis über die Distanz.

Tirol - Salzburg 0:0
Der SV Salzburg kann nur noch rein rechnerisch aus der Bundesliga absteigen. Die Salzburger, die ab der kommenden Saison unter der Schirmherrschaft von Red Bull ins Rennen gehen, erreichten bei Aufsteiger FC Wacker Tirol ein torloses Remis und liegen damit drei Runden vor Schluss bei um 30 Treffer besserer Tordifferenz neun Punkte vor Schlusslicht Bregenz.

Das Westderby hielt über weite Strecken nicht das, was man sich versprochen hatte. Bei föhnigen Bedingungen wurde den rund 5.000 Zuschauern am Tivoli neu in der ersten Hälfte eher lauer Frühjahrs-Kick geboten. Die beiden Erzrivalen neutralisierten sich im Mittelfeld, Torchancen waren Mangelware.

Nach Seitenwechsel taten beide Teams etwas mehr, Wacker-Kapitän Grüner prüfte Salzburg-Schlussmann Arzberger mit zwei Distanzschützen. Die beste Möglichkeit verbuchten aber die Mozartstädter: Der Südkoreaner Seo scheiterte nach einem Solo an Wacker-Tormanntrainer De Vora (64.). De Vora spielte auch seine zweiten Partie, die er an Stelle der verletzten Goalies Pavlovic und Planer bestritt, zu null. Es war die erste Bundesliga-Heimpartie des 34-Jährigen in Innsbruck nach neuneinhalb Jahren (2:0 am 18. November 1995 gegen Ried), die erste überhaupt am Tivoli neu.

Auch Salzburg-Interimstrainer Manfred Linzmaier durfte sich bei seiner Rückkehr nach Innsbruck, wo er als Spieler unter anderem zwei Mal Meister (1989,1990) und Cupsieger (1989,1993) wurde und 1987 das UEFA-Cup-Semifinale erreichte, freuen - über einen nicht unverdienten Punkt. Der 42-Jährige weicht im Sommer dem neuen Red Bull-Cheftrainer und ehemaligen Tiroler Erfolgscoach Kurt Jara.

Bereits am 31. Juli - im ersten von vier West-Duellen der laufenden Saison - hatte es in Salzburg ein 0:0 gegeben. Danach überdauerte der Aufstieger aus Innsbruck die gesamte Spielzeit ohne Niederlage gegen den Erzrivalen. Die Salzburger warten bereits seit dem 14. August 1999 (1:0) auf einen Meisterschaftssieg gegen Wacker bzw. dessen Vorgängerklub FC Tirol.

Admira - Mattersburg 0:1
SV Mattersburg befindet sich auf dem besten Weg zu Platz fünf in der Bundesliga. Die Burgenländer gewannen ihr Gastspiel bei der Admira in der Südstadt 1:0 (1:0), das entscheidende Tor erzielte Thomas Wagner bereits in der siebenten Minute. Die Mattersburger liegen drei Runden vor Saisonende nun vier Punkte vor dem Sechsten FC Wacker Tirol. Admira bleibt Siebenter.

Die frühe Entscheidung resultierte aus einem Stellungsfehler von Labant, woraufhin Wagner den von Schmidt gekommenen Ball mitnahm - allerdings in Feldhofer-Manier mit dem Oberarm. Gegen den Schuss aus kurzer Distanz hatte Admira-Goalie Szamotulski dann nichts zu bestellen. Die mit vier U21-Spielern angetretenen Admiraner hatten danach aber eine gute Phase, Janko nach Lederer-Flanke und vor allem Thonhofer mit einem 25-m-Schuss vergaben jedoch chancenreich.

In der Pause verjüngte Admira-Trainer Thalhammer sein Team noch mehr, brachte die 17-Jährigen Vishaj und Hoffer ins Spiel. Beide sind Stürmer, die Heimischen setzten also voll auf Offensive. Mattersburg-Coach Lederer brachte quasi als Gegenstück zwölf Minuten später den 34-jährigen Köszegi ins Spiel. An Chancen blieb es vorerst eher pari. Matjus schoss aber über das Tor, auf der anderen Seite blieb ein Stanglpass von Schmidt ungenützt.

In der Schluss-Viertelstunde kam noch einmal Leben ins Spiel, nachdem mit Pereica ein weiterer Admira-Stürmer aufs Feld gekommen war (77.). Kurz davor fand Hoffer nach Wolf-Zuspiel die beste Ausgleichschance vor, der Ball ging jedoch links neben das Tor. Den freien Platz zum Kontern für die Mattersburger konnte Koller nicht nützen (85.). Da war Admira nur noch zu Zehnt, Osoinik hatte von Referee Falb Gelb-Rot präsentiert bekommen (84.).
(apa/red)

15.5.2005 17:21