Donnerstag, 12. Mai 2005

Anti-amerikanische Proteste in Afghanistan greifen auf Kabul über: 'Tod für Amerika'

  • Vor allem junge Studenten sind über die USA entzürnt
  • Auslöser: Angebliche Koran-Schändung in Guantanamo

Die anti-amerikanischen Proteste in Afghanistan haben am Donnerstag auf die Hauptstadt Kabul übergegriffen. Vor einem Studentenwohnheim der Universität versammelten sich etwa 200 überwiegend junge Demonstranten. Sie riefen "Tod für Amerika" und verbrannten eine US-Flagge.

Auf einem Transparent war zu lesen: "Wer unseren Koran beleidigt, beleidigt den gesamten Islam." Auslöser der Proteste war ein Bericht, wonach US-Soldaten im Gefangenenlager des Militärstützpunkts Guantanamo Exemplare des Korans auf Toiletten ausgelegt haben sollen.

Im Bezirk Mohammed Agha südlich von Kabul wurden die Büros von CARE und einer weiteren internationalen Hilfsorganisation verwüstet, ein Mitarbeiter wurde geschlagen. Auch die Scheiben eines örtlichen Regierungsbüros wurden von Protestierenden eingeschlagen. Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Logar, Amanullah Hamimi, wurde in der Nacht ein Mobilfunkmast von einer Rakete zerstört.

CARE-Direktor Paul Barker erklärte, Ziel der Angriffe seien die Symbole des Wandels in Afghanistan gewesen. "Wahrscheinlich gibt es Menschen im Land, die zu diesen Protesten anstiften."

Am Mittwoch waren bei schweren Ausschreitungen in der ostafghanischen Stadt Jalalabad vier Menschen ums Leben gekommen und mehr als 70 weitere verletzt worden. Polizisten hatten das Feuer auf die randalierende Menschenmenge eröffnet. Aus anderen Städten wurden am Mittwoch friedliche Demonstrationen gemeldet.

(apa/red)

12.5.2005 12:19