Mittwoch, 11. Mai 2005

Landesweiter Streik in Griechenland: Öffentliches Leben erliegt fast vollständig!

  • Gewerkschaften holen 1. Mai nach - gegen Willen der Regierung

Ein landesweiter Generalstreik hat das öffentliche Leben in Griechenland am Mittwoch nahezu vollständig lahmgelegt. Schulen, Banken und viele Behörden blieben geschlossen, der öffentliche Nahverkehr kam zum Erliegen, die Krankenhäusern arbeiteten mit Notbesetzung. Der Ausstand richtete sich gegen die Entscheidung der Regierung, den Tag der Arbeit, der in diesem Jahr auf den orthodoxen Ostersonntag gefallen war, nicht wie von den Gewerkschaften gefordert auf den 11. Mai zu verschieben.

Außerdem wurde gegen hohe Lebenshaltungskosten und die rund zehnprozentige Arbeitslosigkeit demonstriert. In Athen forderten rund 6000 Teilnehmer einer Kundgebung Mindestgehälter und -renten sowie die 35-Stunden-Woche.

Die griechischen Fluggesellschaften Olympic Airlines und Aegean Airlines flogen während des Streiks jedes Ziel nur mit einer Maschine an; zwischen 11.00 Uhr und 15.00 Uhr MESZ war der Flugverkehr durch einen Streik des Bodenpersonals komplett lahmgelegt. In der Hauptstadt Athen fuhren zeitweise nur Kleinbusse, während die öffentlichen Nahverkehrsbetriebe ihre Busse und U-Bahnen während des ganzen Tages in den Fuhrparks und Bahnhöfen stehen ließen. Auch die Häfen blieben geschlossen, Fähren vor Anker.

Keine Zeitung erschien, weil die Journalisten ihren Streik um einen Tag vorgezogen hatten, um am Mittwoch über den Streik berichten zu können. Das Fernsehen sendete drei Stunden lang nichts.

Auch der nationale Telefonriese OTE und öffentliche Energieunternehmen wurden bestreikt. In einigen Regionen fiel zeitweise der Strom aus. Selbst das Parlament tagte auf Beschluss seiner Präsidentin nicht.

Zu der 24-stündigen Arbeitsniederlegung hatten der Gewerkschaftsdachverband GSEE und der Gewerkschaftsbund der Beamten aufgerufen. Die Beteiligung an dem Ausstand habe alle bisherigen Aktionen übertroffen und in einigen Sektoren hundert Prozent erreicht, teilte der Verband mit. Dies sei unter anderem bei den Banken und Hafenarbeitern, aber auch im Versorgungssektor der Fall gewesen. Bei der Kundgebung in Athen waren auch Transparente gegen die EU-Verfassung und antiamerikanische Parolen zu sehen. (apa)

11.5.2005 17:01