Anti-Amerika-Proteste in Afghanistan: Tote
und zahrleiche Verletzte bei Protestaktion
- Polizei spricht von unkontrollierbarer Lage. Auslöser war Bericht über Koran-Entweihung auf US-Militärstützpunkt Guantanamo
Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten sind in Afghanistan mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen und etwa 40 weitere verletzt worden. Auslöser der Proteste war ein Bericht, wonach Soldaten auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba den Koran entweiht haben sollen. In der ostafghanischen Stadt Jalalabad zogen hunderte Studenten durch die Straßen und riefen "Tod für Amerika" und "Tod für Bush".
"Sie sind sehr wütend und über die ganze Stadt verteilt", sagte Geheimdienstchef Sardar Shah. Afghanische Polizisten und US-Soldaten hätten versucht, die Lage unter Kontrolle zu bringen, "aber ich glaube, das ist unmöglich", erklärte er. Die Sicherheitskräfte hätten auch Warnschüsse in die Luft abgegeben. Die Demonstranten zertrümmerten Auto- und Schaufensterscheiben und schleuderten Steine auf einen US-amerikanischen Militärkonvoi. Die Protestierenden verschafften sich Zugang zu einem Gelände der Vereinten Nationen und steckten zwei Autos in Brand.
Ein Sprecher der Gesundheitsbehörde sagte, zwei Demonstranten seien getötet worden. Viele der rund 40 Verletzten würden im Krankenhaus von Jalalabad wegen Schusswunden behandelt. Auch in den Nachbarprovinzen Laghman und Khost kam es zu Protesten, die allerdings friedlich verliefen. Laut dem Bericht des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek" legten US-Soldaten im Gefangenenlager Guantanamo Exemplare des Koran auf Toiletten aus. In mindestens einem Fall sei "ein heiliges Buch im Klo heruntergespült" worden. Das US-Außenministerium bezeichnete ein derartiges Verhalten als verwerflich. Sprecher Tom Casey sagte, die Vorwürfe seien ernst und müssten überprüft werden.
(apa/red)
