Freitag, 13. Mai 2005

Gorbach plant Polit-Ausstieg: Jörg Haider will ihn "nicht so einfach ziehen lassen"

  • BZÖ-Chef aber unzufrieden: "Aussage war nicht optimal"
  • Vizekanzler will bis Ende '06 in Privatwirtschaft wechseln

Der Kärntner Landeshauptmann und BZÖ-Chef Jörg Haider würde es bedauern, wenn Gorbach 2006 in die Privatwirtschaft wechselt. Eine definitive Entscheidung sei aber noch nicht gefallen und er werde versuchen, Gorbach zum Bleiben zu bewegen. "Ich werde keinen so einfach ziehen lassen", sagte Haider am Freitag vor Journalisten in Klagenfurt.

Generell sollte es laut Haider jedem Politiker frei stehen, "über solche Dinge nachzudenken". Allerdings sei die Ankündigung eines vorzeitigen Rückzuges auch "gefährlich", da man dann "als Politiker mit einem Ablaufdatum behaftet ist". Deshalb halte er eine solche Vorgangsweise für "nicht wirklich optimal", sagte Haider.

Gorbach will Ende 2006 gehen
Der geschäftsführende BZÖ-Obmann und Vizekanzler Hubert Gorbach (48) will bis Ende 2006 "mit voller Kraft" in der Politik tätig sein, bestreitet Kontakte in die Privatwirtschaft aber nicht. "Mir geht es jetzt darum, das BZÖ zu entwickeln, es mitzugestalten, damit es auch nach 2006 eine Alternative ist", sagte Gorbach in der Nacht auf Freitag. In der ORF-ZIB 3 nahm er diesbezüglich zu Berichten der "Vorarlberger Nachrichten" (VN) Stellung, wonach er seinen Ausstieg aus der Politik vorbereite.

"Was danach für mich persönlich stattfindet, entscheide ich und das ist meine Privatsache", räumte Gorbach jedoch ein. "Man hat immer Gespräche, auch mit der Privatwirtschaft". Der Unternehmer Walter Klaus genieße seine Hochachtung. "Wir können uns gut vorstellen zusammenzuarbeiten."

Die "VN" hatten berichtet, Gorbach wolle zum Touristik-Unternehmer Walter Klaus mit der Referenz-Gruppe "Silvretta Nova" wechseln. Sowohl Klaus als auch Gorbach bestätigten den "Vorarlberger Nachrichten", dass sie ab 2006 gemeinsame Sache machen: Klaus hat Gorbach als Geschäftsführer für die neu zu gründende Holding vorgesehen. Gorbach selbst spricht von einem Grundsatzübereinkommen mit Klaus, wonach er eine "entscheidende Rolle" spielen werde.

Bis zum Ende der Legislaturperiode will Gorbach in der Regierung bleiben, er laufe nicht "auf und davon". Anschließend sei er aber verfügbar, wird er in den "VN" zitiert. Klaus ist Eigentümer von 60 Liftanlagen, mehreren Gastronomiebetrieben und Hotels.

Lopatka gelassen
Gelassen reagiert ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka auf die Ankündigung von Gorbach. Auf Anfrage der APA meinte Lopatka, "jeder Kommentar ist überflüssig. Die Arbeit der Regierung funktioniert bestens". Darauf angesprochen, dass die schwarz-blau-orange Koalition eher mit sich selbst beschäftigt sei, sagte Lopatka: "Das kann ich wirklich nicht teilen. Die Regierung arbeitet, das sehen Sie am Asyl, Fremdenrecht usw". Aber dass zuletzt Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) wegen seines Privatlebens und nun Gorbach mit seiner Rückzugsaussage eher für mediale Aufmerksamkeit sorgten? - Der ÖVP-Generalsekretär dazu: "Nochmals, wir konzentrieren uns auf die Arbeit. Das ist entscheidend, nicht irgend welche Behauptungen". Auch international werde die Arbeit der österreichischen Regierung sehr gut bewertet. Und auf die Frage, ob der ÖVP nicht der Koalitionspartner BZÖ langsam zerbrösle, schloss sich Lopatka seinem Motto "die Regierung arbeitet" an.

SPÖ fordert sofortigen Rücktritt des Vizekanzlers
Nach der Ankündigung von Vizekanzler Gorbach (B), sich 2006 möglicherweise aus der Politik zurückzuziehen, hat SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter am Freitag dessen sofortigen Rücktritt gefordert. Die Absicht Gorbachs, noch bis zur "Wählerabrechnung" in seinem Ministersessel zu sitzen und dann "der Bevölkerung die lange Nase zu zeigen und sich davonzumachen", sei keinesfalls zu dulden. "Herr Gorbach, treten sie sofort zurück, jeder weitere Tag im Amt ist eine Zumutung für die Menschen in Österreich", sagte Kräuter in einer Aussendung.

Der SPÖ-Rechnungshofsprecher verwies darauf, dass Gorbach der vierte freiheitliche Verkehrsminister in fünf Jahren sei, der sich zurückziehe. Die Verkehrs- und Infrastruktur Österreichs stehe vor einem "unbeschreiblichen Trümmerhaufen". " Zum Fünf Milliarden Euro-Finanzdesaster der ASFINAG kommen zumindest weitere fünf Milliarden Euro Schaden durch eine völlig verfehlte Strategie und Prioritätensetzung im Bereich Schiene dazu. Anstatt in der EU nachhaltig verkehrspolitisches Lobbying für Österreich zu betreiben, blamierte sich Gorbach bei peinlichen Schwarzenegger Anbiederungsversuchen. Lediglich beim blau-orangen Postenschachern konnte Gorbach Erfolge verzeichnen, die Steuerzahler können sich auch für millionenteure Spaziergänger von Rüdiger vorm Walde bis Walter Hecke bedanken", ließ Kräuter kein gutes Haar an der Amtsführung Gorbachs. (apa/red)

13.5.2005 22:33