Donnerstag, 12. Mai 2005

Schlag gegen Schlepper-Ring: Bande hat über 5.000 Opfer in den Westen geschleust!

  • Bisher 64 Festnahmen, 59 davon alleine in Österreich
  • Transport kostete 4.000 Euro - Brutale Vergewaltigungen

Bundeskriminalamt, Kriminalamt Burgenland und Grenzkontrollstellen haben in seit Juni 2004 laufenden Ermittlungen eine internationale tätige rumänisch-moldawisch-ukrainische Schlepperorganisation zerschlagen, die in den vergangenen Jahren mehr als 5.000 Osteuropäer in den Westen geschleust hat. Insgesamt wurden 64 Personen festgenommen, 59 von ihnen in Österreich. Das gab das Bundeskriminalamt bekannt.

Die Geschleusten mussten bis zu 4.000 Euro pro Schleppung zahlen. Um das Geld aufzubringen, schlossen sie sich zum Teil zu Banden zusammen, die durch Einbruchsdiebstähle das Geld beschafften. Andere wurden zu Schwarzarbeit gezwungen.

Die Geschleppten wurden zum Teil in Mini-Verstecken in Fahrzeugen über die Grenze gebracht. Um sie ihn die oft nur 20 Zentimeter hohen Verstecke zu bringen, wurde brutale Gewalt angewendet - nach den Erkenntnissen der Ermittler kam es sogar zu Vergewaltigungen.

Lebensgefahr beim Grenzübertritt
Der Größe der Verstecke entsprechend riskant für den Betroffenen waren die Grenzübertritte. "Nur durch Zugriffe der Exekutive konnte der Erstickungstod mehrerer Personen verhindert werden", hieß es in einer Aussendung des Bundeskriminalamts (BK). Zielländer waren Italien und Spanien, wenige der Geschleppten blieben in Österreich.

Laut Major Gerald Tatzgern vom Schlepperreferat des BK wurden die Menschen - überwiegend Moldawier und Ukrainer - nicht nur in doppelten Böden von Fahrzeugen über die Grenzen gebracht, sondern zum Teil auch im Motorraum, nachdem der Motor entfernt worden war. Die Pkw wurden entweder auf Anhängern scheinbar geschleppt oder mit einem Hilfsmotor unter dem Beifahrersitz ausgestattet, mit dem sie rund 50 km/h fahren konnten.

Diese an Grenzübergängen im Burgenland aufgeflogene Methode wurde schließlich auch an einem deutsch-polnischen Grenzübergang festgestellt, was in Pirna zur Festnahme eines Deutschen und eines Rumänen führte, die sich ebenfalls als Teil der Schlepperorganisation entpuppten. Festnahmen gab es auch in Polen, in Rumänien und Ungarn.

Zigaretten- und Drogenschmuggel, Falschgeldkrimimalität, Überfälle in Wien
Auf das Konto der Organisation geht eine Reihe weiterer krimineller Handlungen: Von Zigaretten- und Drogenschmuggel über Diebstähle und Hehlerei über die Verbreitung gefälschter Euro-Banknoten bis zu Kreditbetrügereien, Dokumentenfälschung, der Verschiebung gestohlener Fahrzeuge und Überfällen auf eine Bank und einen Juwelier in Wien. Offenbar wurden Menschen auch gezielt zur Begehung von Straftaten nach Westeuropa geschleppt. Zu den beiden Überfällen machte Tatzgern unter Hinweis auf noch laufende Ermittlungen keine Angaben. "Wir wollen noch Hintermänner ausforschen", sagte der Kriminalist.

Die Ermittlungen wurden unter der Leitung Österreichs vom SECI-Center in Budapest koordiniert, einem Zusammenschluss südosteuropäischer Staaten zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität. "Es war das erste Mal, dass wir im operativen Bereich mit Moldawien kooperiert haben, und es hat ausgezeichnet funktioniert", sagte Tatzgern. Die Ermittlungen liefen unter dem Namen "Operation Nistru" nach dem moldawischen Fluss, der teilweise die Grenze zur Ukraine bildet. (apa/red)

12.5.2005 10:48