Mittwoch, 11. Mai 2005

"Ohne Angabe von Gründen": Österreichs Post druckt keine Briefmarke mit Dalai Lama

  • Aktivist hatte Marke zu 70. Geburtstag in Auftrag gegeben
  • Chinesische Botschaft hat angeblich interveniert!

In Österreich wird es anlässlich des 70. Geburtstags des Dalai Lama am 6. Juli keine Briefmarke mit dem Sujet des tibetischen Oberhauptes geben. Ein Bürgerrechts-Aktivist hatte eine so genannte "personalisierte Marke" in Auftrag zu geben. Doch nun teilte die Post AG mit, dass sie die Marke nicht produzieren lässt. Der Aktivist spricht von Interventionen der chinesischen Botschaft.

"Ich wurde von einem Postbediensteten angerufen. Der erklärte am Telefon, dass auf Grund sehr massiver Interventionen durch die chinesische Botschaft die Herausgabe der Marke abgesagt werden müsse." Besonders überraschend sei gewesen, dass den Chinesen sowohl sein Name als auch die Anzahl der geplanten Briefmarken genau bekannt gewesen sei, schilderte der Wiener Bürgerrechts-Aktivist Heinz Stoff in der Mittwoch-Ausgabe der "Salzburger Nachrichten" (SN).

Post-Sprecher Michael Homola bestätigte der APA, dass die Marke "ohne Angabe von Gründen" nicht gedruckt wird. Die Post AG habe es sich bei personalisierten Marken vorbehalten, eine Erzeugung auch ohne Nennung von Gründen abzulehnen. Auch die Frage, ob es Interventionen der chinesischen Botschaft gegeben habe, wollte Homola nicht eindeutig beantworten. Man werde aber im SN-Bericht kein Dementi von ihm finden, so der Post-Sprecher.

Die Post AG selbst legte im Sommer 2004 den Plan, anlässlich des 70. Geburtstages des mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten tibetischen Exil-Oberhauptes eine Sondermarke herauszubringen, auf Eis. Auch damals war von chinesischen Interventionen die Rede. Von der chinesischen Botschaft konnte die APA vorerst keine Stellungnahme einholen.(apa/red)

11.5.2005 11:23