Freitag, 29. April 2005

NEWS über die Zukunft von Herbersteins Tierpark: Kampf bis zum letzten Vieh

  • Zahlt das Land keine Subventionen, droht der Ultimo
  • Tierpark droht im steirischen Wahlkampf unterzugehen

Ein eisiger Sommer könnte das werden für Gräfin Andrea Herberstein, 51, die doch stets für Gelingen stand, für Erfolg und gesellschaftlichen Glanz als Lebenspartnerin der Lichtgestalt Thomas Hampson. Jetzt, plötzlich, sieht sie ihr Lebenswerk bedroht: Der Tierpark um den Familienansitz Schloss Herberstein in der Steiermark ist in ernstlicher Gefahr, geschlossen zu werden.

Denn, so Herberstein: Die steirische Landesregierung will schon im Jahr 1999 zugesagte Subventionen in der Höhe von neun Millionen Euro nicht überweisen: "Wenn das Land nicht bald eine Lösung findet, werden wir den Tierpark noch im Juli schließen."

200.000 Besucher
Innerhalb von drei Jahrzehnten machte die Gräfin die Herberstein OEG (im Eigentum ihrer Kinder Maximilian, 28, Catherine, 29, und Felicitas, 27) zum touristischen Vorzeigebetrieb der wirtschaftlichen Krisenregion Oststeiermark. Schloss, historischer Garten und Tierpark brachten jährlich über 200.000 Gäste in die sonst wenig attraktive Gegend.
2004 richtete sie für den bedeutenden österreichischen Bildhauer Bruno Gironcoli ein Museum ein, das sie zu gleichen Teilen mit Bund und Land finanzierte. Jetzt aber wird es ernst - und Folgendes hat sich zuge-tragen:

  • 1996: Der Tierpark wird als wissenschaftlicher Betrieb in die internationale Zoogemeinschaft EASA aufgenommen - eine in Fachkreisen hoch zu veranschlagende Auszeichnung.

  • 1998: Die Herberstein OEG sucht beim Land um Subvention für den Tierpark an. Europaweit, argumentiert Herberstein, wird kein wissenschaftlicher Tiergarten ausschließlich von privater Hand finanziert.

  • 1999: Mit Helmut Pechlaner als Berater wird ein Zehnjahresplan zum Ausbau des Zoos erstellt. Die Landesregierung bewilligt eine Subvention von 9 Mio. Euro, die in den folgenden Jahren ausbezahlt werden soll. Herberstein investiert, der Bestand des Zoos wächst auf 130 Tierarten. Das Geld bleibt zunächst aus.

  • 2002: 2,9 Mio. Euro werden überwiesen - unter der Prämisse, dass das Land als stiller Teilhaber fungiert und pro Jahr 10.000 Freikarten bezieht.

  • 2004: Im Juni wird Herberstein von Unwettern heimgesucht. Der Schaden beträgt 250.000 Euro. Im August überweist LH Klasnic die nächste Rate in der Höhe von einer Million Euro. Im Oktober bietet die Landeshauptfrau folgende Lösung an: Die Landesmuseum Joanneum GmbH soll als Pächter und Betreiber des Tierparks auftreten. Zudem soll ein naturkundliches Museum (um 8 Mio. Euro) auf dem Gut errichtet werden. Das Land würde 300.000 Euro Pachtzins im Jahr entrichten. Herberstein erklärt sich einverstanden.

    Politikum
    Da aber wird die Causa zum Politikum: Die Partei-Kapos Franz Voves (SP) und Leopold Schöggl (FP) legen in allen Regierungssitzungen ihr Veto ein.

    Zuletzt am vergangenen Montag, dem 25. April: Herberstein habe in den vergangenen zwanzig Jahren 6,35 Mio. Euro lukriert, hieß es. Das sei mehr als gräflich. "Die waren aber für ganz andere Projekte wie Landesausstellung und Schlossrenovierung", argumentiert die Gräfin. Doch darum geht es nicht mehr: In der Steiermark stehen Herbstwahlen bevor, und was immer der angeschlagenen Landesmutter schadet, ist willkommen. (NEWS Nr. 17/2005)

    29.4.2005 21:03