Nach Entrüstung um Gudenus-Aussage: Bundesrat legt FPÖ-Mitgliedschaft zurück!
- Abgeordneter stellte Existenz von Gaskammern in Frage!
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FPÖ-Bundesrat John Gudenus ist nach seiner neuerlich geäußerten Relativierung der Existenz von NS-Gaskammern nicht mehr Mitglied der Freiheitlichen Partei, er bleibt aber Mandatar in der Länderkammer des Parlaments. Den Rücktritt von eben dieser Funktion hatten Vertreter der anderen Parteien verlangt. Nach Rücksprache mit FPÖ-Bundesparteichef Heinz-Christian Strache legte Gudenus seine Mitgliedschaft in der FPÖ zurück. Er setze diesen Schritt, um einen "möglichen Schaden, welche die aktuelle Diskussion der FPÖ zufügen könne, abzuwenden". Er bleibe aber Bundesrat, betonte Gudenus auf Anfrage der APA.
Der Bundesrat hatte bereits 1995 für Aufregung gesorgt. Damals war er wegen seiner Aussage - "Gaskammern? Ich halte mich da raus! Ich glaube alles, was dogmatisch vorgeschrieben ist" - als freiheitlicher Nationalratsabgeordneter zurück getreten. Nun meinte Gudenus in der Fernsehsendung "Report", man solle "nicht Tabus aufstellen, sondern man soll physikalisch und wissenschaftlich prüfen".
"Prüfen wir das"
Gudenus erklärte im "Report" zu seiner Aussage von 1995: "Ich glaube ich habe damals nicht falsch reagiert und ich glaube, Charles Popper hat gesagt, man soll nicht Tabus aufstellen, sondern man soll physikalisch und wissenschaftlich prüfen." Damit konfrontiert, dass die Grundfrage ist, ob es Gaskammern im Dritten Reich gegeben habe, sagte Gudenus: "Ich glaube, man sollte dieses Thema ernsthaft debattieren und nicht auf eine Frage du musst es ja oder nein beantworten. Sollen wir, prüfen wir das. Ich bin der Meinung, ich fordere immer wiederum eine Prüfung."
Haider-Kritik im Jahr 2000: "Gudenus passt nicht hierher"
Der frühere FPÖ-Obmann Jörg Haider hatte im Jahr 2000 die Angelobung von Gudenus im Bundesrat kritisiert. Haider meinte, er glaube, dass Gudenus "aufgrund seiner Erklärungen nicht hierher passt. Die Denkungsweise war auch kein Ausrutscher". Gudenus hatte kurz nach seiner Gaskammer-Aussage im Oktober 1995 versucht klarzustellen, dass "die Existenz der industriellen Vernichtung von zahllosen Menschen im Dritten Reich, insbesondere über Gaskammern, für mich als historische Tatsache feststeht und einer revisionistischen Erörterung nicht zugänglich sein kann. Daher stehe ich auch künftig für die Diskussion über die Existenz von Gaskammern nicht zur Verfügung".
"Implizite Leugnung der Gaskammern"
Noll sagte auf die Frage, was ein Politiker sagen darf: "Zum Glück darf er viel sagen. Er darf schockieren, er darf bestürzen, er darf Blödsinn sagen. Er darf auch, so wie Herr Gudenus es hier in der Sendung gemacht hat, nahe am Verbotsgesetz vorbeischrammen. Das was Gudenus hier macht, ist eine besonders perfide Form des Revisionismus. Er versucht mit dem Gestus der Aufklärung, nämlich mit dem Postulat, alles muss überprüfbar sein, Dinge zu relativieren, die historisch, fachlich unbestritten sind und auch nicht bestreitbar sind. Und das was Gudenus hier macht, ist tatsächlich eine implizite Leugnung der Gaskammern im Dritten Reich."
Gudenus fühlt sich missinterpretiert
Trotz der Entrüstung über die Parteigrenzen hinweg, denkt John Gudenus überhaupt nicht an einen Rücktritt. Er verwahrte sich "in der gebotenen Deutlichkeit" gegen eine "bewusste Missinterpretation" seiner Aussagen. Gudenus sprach von einer "bewussten Verdrehung" seiner Aussagen über NS-Gaskammern. Auf die Frage, ob er den zahlreichen Aufforderungen nach seinem Rücktritt nachkommen werde, sagte Gudenus: "Diese Aufforderungen habe ich noch nicht gehört". Und wenn Sie sie hören? - "Dann bin ich schwerhörig". Also kommt ein Rücktritt für Sie nicht in Frage? Gudenus: "Ein Rücktritt kommt nicht in Frage".
Gudenus betonte, er "stelle hiermit klar, dass ich nie die großen Menschheitsverbrechen, welche in der Zeit des Dritten Reichs stattfanden, geleugnet habe oder leugnen wollte. Es war und ist nie mein Interesse gewesen, den Massenmord an Hekatomben wehrloser Menschen zu bagatellisieren".
Versuch der Relativierung
Gudenus versuchte zuletzt noch zurückzurudern, indem er meinte, es habe sich um eine "bewusste Missinterpretation" seiner Aussagen im ORF-Report gehandelt. Er habe nie die großen Menschheitsverbrechen geleugnet. Nach einer Rücksprache mit Strache, der zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, legte Gudenus dann seine sämtlichen Funktionen innerhalb der FPÖ sowie die Mitgliedschaft zur Partei zurück.
Rechtsanwalt ist über Aussagen entsetzt
Rechtsanwalt Alfred Noll zeigt sich im "Report" über die Aussage von Gudenus entsetzt. Es handle sich um eine "besonders perfide Form des Revisionismus" und um eine "implizite Leugnung der Gaskammern im Dritten Reich".
(apa/red)
