Dienstag, 19. April 2005

Hauptlärmerreger Verkehr: In Österreich leiden 820.000 unter Krankmacher Lärm

  • VCÖ fordert mehr Rechte für Verkehrslärm-Opfer
  • Strengere Lkw-Nachtfahrverbote & niedrigere Tempolimits

Mehr als 820.000 Österreicher wohnen nach Angaben des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) an Orten, wo der Verkehrslärm tagsüber lauter als 65 Dezibel ist. Mediziner warnen, dass ab diesem Wert das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen stark zunimmt.

Der VCÖ fordert daher - im Vorfeld des 10. Tages des Lärmes am Mittwoch - die raschere Umsetzung von Maßnahmen zur Verringerung der krankmachenden Lärmbelastungen. "Studien in Tirol haben gezeigt, dass Kinder entlang von Transitrouten unter Konzentrationsstörungen leiden und häufiger krank sind. Dauerhafter Verkehrslärm erhöht das Risiko von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen sowie Herzinfarkten", erläuterte Wolfgang Rauh vom VCÖ-Forschungsinstitut in einer Aussendung. Und: Der Verkehr sei der Hauptlärmerreger in Österreich, wie eine VCÖ-Studie zeige. 76 Prozent der unter dem Krach leidenden Menschen geben als Ursache den Verkehr an. Rund 80 Prozent der unter diesem Lärm leidenden Menschen wiederum geben als Ursache Lkw, Motorräder und Pkw an.

Mehr Rechte für Betroffene
Der VCÖ fordert mehr Rechte für die Betroffenen. "In Deutschland haben lärmgeplagte Menschen einen Rechtsanspruch auf Schallschutzmaßnahmen oder auf eine Entschädigung", forderte Rauh diese Rechte für Österreich ein. Ein wachsendes Problem sei überdies der Fluglärm. Der VCÖ fordert Landeverbote für besonders laute Flugzeuge sowie eine Kerosinsteuer nach Vorbild der Niederlande.
Auch strengere Lkw-Nachtfahrverbote und eine flächendeckende Lkw-Maut nach Schweizer Vorbild würden den Lkw-Lärm verringern, meint der VCÖ.

Flächendeckende Lkw-Maut
Der Verkehrsclub appellierte an Verkehrsminister Hubert Gorbach (B), bei der neuen EU-Wegekostenrichtlinie darauf zu bestehen, dass eine flächendeckende Lkw-Maut erlaubt und eine Mindestmauthöhe verankert wird. "Die Gesundheit der Anrainer muss Vorrang vor den Interessen der Frächterlobby haben", urgierte Rauh. Wirksam gegen den Lkw-Lärm seien auch niedrigere Tempolimits. Bei Tempo 80 statt 100 km/h für Lkw würde sich deren Lärm um drei Dezibel verringern - was eine Verminderung im gleichen Ausmaß als die Halbierung des Lkw-Verkehrs bedeutet.
(APA/red.)

19.4.2005 11:39