Radsport: Lance Armstrong erklärte sein Karriereende: "Am 24. Juli ist Schluss"
- 'Legenden' Indurain, Merckx und Hinault mit Verständnis
- Ullrich-Betreuer erhofft sich einen Motivationsschub
·Rad-Ass Armstrong beendet Karriere!
Sechsfacher Tour-Sieger nimmt in Paris Abschied!
·Lance Armstrong im Kurzporträt!
Sechsfacher Tour-Sieger besiegte den Hodenkrebs!
Drei Allzeit-Größen des Radsports zeigen Verständnis für den Rücktritt von Lance Armstrong. Der texanische Radprofi und sechsfache Toursieger hatte am Montag im Golf-Mekka Augusta (US-Bundesstaat Georgia) bekannt gegeben, dass er mit der letzten Etappe der diesjährigen Tour de France am 24. Juli seine Karriere beenden wird. "Eine große Persönlichkeit verlässt die Bühne. Sein Sieg über den Krebs ist für mich aber der größte Erfolg überhaupt", sagte etwa der fünffache Toursieger Eddy Merckx aus Belgien.
Der Spanier Miguel Indurain verstand die Entscheidung. "Die Vorbereitung auf eine Tour de France bedeutet sechs Monate harte Arbeit, für die du keine Hilfe erwarten kannst." Indurain ist überzeugt, dass Armstrong ein siebentes Mal gewinnen kann. "Sonst würde er nicht starten. Aber es wird schwerer werden als bisher, denn schon im Vorjahr war zu sehen, dass Lance nicht mehr so explosiv ist." Auch der Franzose Bernard Hinault, wie Merckx und Indurain fünffacher Tour-Sieger, ist skeptisch. "Lance fürchtet womöglich, dass er verlieren könnte. Gewinnt er, war seine Entscheidung, nicht schon nach dem sechsten Sieg aufzuhören, richtig. Verliert er, verschwindet er durch die Hintertür."
"Ich komme zur Tour, um sie noch ein Mal zu gewinnen"
"Mein Entschluss steht zu 100 Prozent fest", sagte indes Armstrong, der im Sommer in Frankreich zum siebenten Mal zuschlagen will und dabei den Deutschen Jan Ullrich ("Wenn ich ihn noch ein Mal schlagen will, muss ich mich ranhalten") wieder als Hauptkonkurrenten ausmachte. "Jan macht zur Zeit einen besseren Eindruck als sonst zu dieser Jahreszeit. Es wird ein harter Kampf, zumal auch ein paar andere Jungs lauern", sagte Armstrong, der aus seinen Ambitionen bei der Frankreich-Rundfahrt kein Hehl machte: "Ich komme zur Tour, um sie noch ein Mal zu gewinnen." Seine Abschiedsrede dauerte vier Minuten.
Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage war erstaunt. "Ich bin ein bisschen überrascht, dass er nun wirklich aufhört. Wir dachten, er gibt seine Giro-Teilnahme oder die Heirat mit seiner Freundin Sheryl Crow bekannt oder kündigt an, Gouverneur von Texas werden zu wollen."
Vom angekündigten Karriere-Ende des nicht unumstrittenen Jahrhundert-Sportlers erhofft sich Pevenage nun auch einen Motivations-Schub für Ullrich. "Das könnte ihm noch ein Mal einen Kick geben, denn er weiß, er hat nur noch eine Chance, ihn endlich zu bezwingen." Das Duell endete bisher immer wie die Geschichte zwischen Hase und Igel: 2000, 2001 und 2003 war Ullrich Tour-Zweiter, im Vorjahr Vierter.
Immer wieder Doping-Gerüchte um Texaner
Armstrong wurde in der Vergangenheit nicht nur auf der Straße verfolgt. Immer wieder wurde der Seriensieger mit Doping in Verbindung gebracht, wohl auch deshalb, weil sein sagenhafter sportlicher Werdegang so schwer erklärbar ist. Im Vorjahr unterstellte man ihm in einem Buch ("L.A. Confidential") Doping, zuletzt erklärte ein Ex-Betreuer, in Armstrongs Haus ein verbotenes Präparat gefunden zu haben. Vor vier Jahren musste Armstrong, der 1996 an Hodenkrebs erkrankte und knapp drei Jahre später geheilt seine erste Tour gewann, zugeben, mit Michele Ferrari zusammengearbeitet zu haben. Der umstrittene italienische Mediziner ist inzwischen in einem Doping-Prozess verurteilt worden.
Armstrong, der alle Doping-Anschuldigungen mit juristischen Gegenattacken konterte, startete am Dienstag zur Georgia-Tour, die er im Vorjahr gewonnen hat. Im Mai oder Juni kommt er zur weiteren Tour-Vorbereitung wieder nach Europa. Armstrong hatte zum Ende der vergangenen Saison einen Zwei-Jahres-Vertrag bei seinem neuen Team- Sponsor Discovery Channel unterschrieben, in dem er sich noch zu einem Tourstart verpflichtete.
Nach seiner letzten Pedalumdrehung will sich Armstrong, der sich von seiner Frau trennte und inzwischen mit der Rocksängerin Sheryl Crow zusammenlebt, mehr um seine Zwillings-Töchter und seinen Sohn Luke kümmern. "Ich will die Tour ungeschlagen verlassen - hoffentlich verpasse ich den richtigen Zeitpunkt nicht", hatte der als Perfektionist bekannte Armstrong im vergangenen Jahr nach seinem sechsten Erfolg erklärt. (apa)
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