Montag, 18. April 2005

Leichtathletik: Desaströser Saisonstart für Marion Jones - Über 400 Meter nur Letzte

  • In katastrophalen 55,03 Sekunden nur der sechste Platz
  • Erste gerichtliche Anhörung im "Fall Conte" am Freitag

Der Saisonstart der ehemaligen US-Topsprinterin Marion Jones wurde zu einem Desaster. Die unter Dopingverdacht stehende Leichtathletin belegte in ihrem ersten Rennen nach dem enttäuschenden Olympia-Auftritt in Athen am Sonntag in Walnut über 400 m in katastrophalen 55,03 Sekunden den sechsten und letzten Platz. Jones blieb über fünf Sekunden (49,59) über ihrer Bestzeit, die sie an selber Stätte vor fünf Jahren gelaufen war. Die Jamaikanerin Novlene Williams gewann das Rennen in 51,49 Sek. vor US-Girl Lashinda Demus (51,79).

Trotz mehrfacher Zusage erschien Marion Jones im Anschluss an das Rennen nicht zur Pressekonferenz. Klammheimlich verschwand die dreifache Sprint-Olympiasiegerin von Sydney 2000 mit ihrem unter Dopinganklage stehenden Lebensgefährten Tim Montgomery in einem Kleintransporter von der Sportanlage.

Trainer Steve Riddick hatte vor dem Rennen noch lauthals verkündet, dass sich Jones in großer Form befinde und unter 50 Sekunden laufen könne. Stattdessen ging der 29-Jährigen auf den letzten 50 Metern des Rennens die Kraft aus. Völlig fertig schaffte es Jones vor 6.000 Zuschauern im Schritttempo gerade noch über die Ziellinie.

Doping-Anhörung der Sprint-Queen am Freitag
Doch auch die kommenden Tage versprechen nichts Erbauliches für Jones, denn am Freitag hat sie ihre erste gerichtliche Anhörung im "Fall Conte". Gegen den Chef des nordkalifornischen "Doping-Labors" BALCO hat sie eine Verleumdungsklage über 25 Millionen Dollar eingereicht. Conte hatte am 3. Dezember in einen TV-Interview behauptet, dass Jones bereits vor den Olympischen Spielen in Sydney gedopt habe.

Er sei daneben gesessen, wie sie sich selbst Dopingmittel ins Bein injizierte. "Nachdem ich sie eingewiesen hatte, wie man es macht, hat sie sich die Injektionen gegeben, als ich rechts neben ihr gesessen bin." Nach seinen Angaben soll es sich um das Blutdopingmittel EPO, Wachstumshormone und das von BALCO entwickelte Designer-Steroid THG gehandelt haben. Eine positive Dopingprobe gibt es von Jones allerdings nicht.

JWBZ von Spearmon über 200 Meter
100-m-Weltrekordler Montgomery, dem eine lebenslange Wettkampfsperre droht, startete überraschend im Staffel-Wettbewerb über 4 x 100 m und wollte ebenso wie Jones nicht mit den Medien reden. Er muss sich im Juni vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne wegen der Dopingvorwürfe gegen ihn verantworten. Montgomerys-Quartett belegte in 39,27 Sekunden den dritten Platz. Es siegte die Staffel des Olympia-Dritten Maurice Greene in 38,73 Sekunden. Jones und Montgomery wollen das nächste Mal gemeinsam am 30. April auf der Karibikinsel Martinique starten.

Die herausragendste Leistung der Veranstaltung in Kalifornien erzielte US-Sprinter Wallace Spearmon über 200 m mit der Jahresweltbestzeit von 19,97 Sekunden. Jamaikas 200-m-Olympiasiegerin Veronica Campbell siegte über 100 m mit zu viel Windunterstützung (+2,8 Meter pro Sekunde) in 10,98 Sekunden. Bei den Männern gewann über die gleiche Distanz der US-Amerikaner Aaron Armstrong in 10,00 Sekunden.

18.4.2005 10:19