Montag, 18. April 2005

Papstamt macht den Unterschied: Pontifex bleibt das größte Ökumene-Hindernis

  • Kirchenoberhaupt in Glaubensfragen unfehlbare Instanz
  • Neuer Papst muss Kontinuität der Glaubenslehre wahren

Durch das Papstamt unterscheidet sich die römisch-katholische Kirche von allen anderen christlichen Kirchen. Der Papst ist nicht nur die oberste gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt, sondern auch die höchste, im Zweifelsfall unfehlbare Instanz in allen Fragen der verbindlichen Glaubens- und Sittenlehre. Ihm kommt "die Kompetenz der Kompetenz" zu - er selbst, nicht eine von ihm verschiedene Instanz beurteilt seine Kompetenz, wie es der deutsche Theologe Karl Rahner einst formulierte. Wer römisch-katholisch ist, steht unter der geistlichen und kirchenrechtlichen Hoheit des Papstes und ist in seinem Glauben in starkem Maße an die Kirche gebunden.

"Wir sind uns vollkommen bewusst, dass der Papst das größte Hindernis auf dem Weg des Ökumenismus ist", hatte Paul VI. 1967 erklärt. Aus der Lehrautorität, dem Universalprimat und dem streng hierarchischen System - nicht aus der "Papstfixiertheit" der Massenmedien - schöpft der multinationale und multikulturelle Katholizismus seine besondere Kraft und Identität im Rahmen der Weltchristenheit und gegenüber anderen Religionen, wie auch in der politischen und moralischen Landschaft der ganzen Welt. Dies wurde unter dem Pontifikat von Johannes Paul II. durch wichtige Enzykliken wie "Redemptor hominis" (gegen die totalitären Staaten und die kapitalistische Konsumgesellschaft, die den Menschen versklaven), "Laborem exercens" (über die Rechte der arbeitenden Menschen) oder "Sollicitudo rei socialis" (Kritik an der sozialen Entwicklung der Welt und Verurteilung der Profitgier) überaus deutlich. Als Institution und Völkerrechtssubjekt ist der Heilige Stuhl einzigartig, weil er auf internationaler Ebene sowohl geistliche als auch weltliche Ziele verfolgt.

Der künftige Papst, ob Seelsorger oder Bürokrat, wird vor allem die Fähigkeit besitzen müssen, die Kontinuität der Glaubenslehre ohne Anpassung an Rationalitätsstandards der weltlichen Moderne zu wahren. Gegenüber den "Modernisierungs- und Demokratisierungs"-Forderungen, dem Verlangen nach Frauenordination, Abschaffung des Zölibats, Lockerung der Sexualmoral, einer anderen Sichtweise auf die Ehescheidung und nach "Abendmahlgemeinschaften" mit anderen Konfessionen werde kein Gewählter Zaghaftigkeit zeigen können, heißt es. Nicht das Wunschdenken von Initiativen wie "Wir sind Kirche", die Zahl von Kirchenaustritten oder der Priestermangel in westeuropäischen Staaten, sondern der Blick auf die Universalkirche müsse "Maßstab und Richtschnur" sein.

Vorwurf des "Reformstaus" beeindruckt Kirche nicht
Johannes Paul II. habe sich hinsichtlich der Einhaltung der Dogmen und der Reinheit der Lehre stets "intransigent" gezeigt und kein Bild der Ratlosigkeit geboten, heißt es in den Kreisen. Von den Erwartungen, die durch das Zweite Vatikanische Konzil erzeugt wurden, habe sich der Vatikan nicht unter Druck setzen lassen. Zu einem Abbau der hierarchischen Strukturen sei es nicht gekommen. Der Vorwurf des "Reformstaus" und der Starrheit im Festhalten an konservativen Positionen des Papsttums dürfe den künftigen Inhaber des Petrusamtes nicht beeindrucken, da es nicht darum gehe, ein Publikum zu begeistern, sondern eine einzigartige Institution zu verantworten, die gerade während des vergangenen Pontifikats von starkem Selbstbewusstsein erfüllt war.

Die römisch-katholische Kirche versteht sich selbst als die von Christus gestiftete Kirche und billigt den Protestanten nur den Status von "kirchlichen Gemeinschaften" zu. Johannes Paul II. ging streng gegen jene Reformtheologen vor, die den religiösen Pluralismus prinzipiell rechtfertigen wollen und die "universale Heilsmittlerschaft" der Kirche als überholt betrachten. Der Auftrag der Glaubensverbreitung werde keinesfalls durch den interkonfessionellen und interreligiösen Dialog ersetzt. Diese klaren Vorgaben finden sich in dem umstrittenen vatikanischen Dokument "Dominus Iesus". Die "Parität" beim interreligiösen Dialog bezieht sich nach katholischem Verständnis nur auf "die gleiche personale Würde der Partner".

(apa)

18.4.2005 18:09