Donnerstag, 21. April 2005

Attentat auf Allawi: Irakischer Präsident entgeht knapp einem Selbstmordanschlag

  • Bombe am Heimweg: Explosion tötet zwei Polizisten
  • Zarqawi-Gruppe bekennt sich zu Attentatsversuch

Der Anschlag auf Übergangs-Premier Iyad Allawi, der offenbar von der Extremistenorganisation Al-Kaida verübt worden ist, hat die Spannungen im Irak wieder erhöht. Entgegen der Ankündigung von Staatspräsident Jalal Talabani ist die Vorstellung der neuen Regierung am Donnerstag abermals verschoben worden. Im irakischen Fernsehsender Al-Irakiya dämpfte der Staatspräsident die Erwartungen und sagte, die Bemühungen um einen Kompromiss bei der Verteilung der Ministerposten gingen weiter.

Politische Beobachter in Bagdad sprachen von einem ernsthaften Zerwürfnis zwischen den beiden Wahlsiegergruppen - konservativen Schiiten und Kurden - über die Einbindung Allawis in die neue Regierung. Allawis säkulare Fraktion "Irakische Nationale Eintracht" hatte sich zunächst gegen eine Regierungsbeteiligung entschieden, weil die Schiiten-Allianz und das Kurden-Bündnis nicht bereit gewesen seien, ihre Forderungen zu erfüllen.

Der Kurdenführer Talabani hatte nach seiner Wahl durch die konstituierende Nationalversammlung erwartungsgemäß den schiitischen Politiker Ibrahim al-Jaafari, Chef der Dawa-Partei, zum Ministerpräsidenten ernannt. Die neue Regierung muss vom Parlament bestätigt werden.

Weitere Anschläge gegen Allawi angekündigt
Im Internet ist am Donnerstag im Namen irakischer Al-Kaida-Kämpfer eine Bekenner-Erklärung veröffentlicht worden. Allawi war am Vortag einem Attentat unverletzt entgangen. "Ein Held der Märtyrer-Brigaden hat ein heldenhaftes Attentat auf die Zentrale der Ungläubigen ... und deren jüdische und christliche Verbündete verübt", hieß es in der Erklärung. Zwar habe der Attentäter sein Ziel verfehlt und Allawi sei entkommen, doch werde es weitere Möglichkeiten geben, ihn zu treffen, hieß es in dem Dokument.

Bei dem Anschlag in Bagdad hatte sich ein Selbstmordattentäter nahe Allawis Autokonvoi in die Luft gesprengt. Dabei blieb der noch amtierende Regierungschef zwar unverletzt, es wurden aber mindestens ein Mensch getötet und vier weitere verletzt. Der Anschlagsort befand sich in der Nähe der Wohnung des Regierungschefs und der Zentrale seiner Partei.

Wieder Ausländer getötet
Bei einem Feuerüberfall im Irak sind ein Australier und zwei weitere Ausländer getötet worden. Wie das australische Außenministerium am Donnerstag mitteilte, ereignete sich der Angriff auf der Straße zum Bagdader Flughafen bereits am Mittwoch. Der 34-jährige Australier sei ein früherer Soldat gewesen, der im Irak im Sicherheitsbereich gearbeitet habe. Über die Herkunft der anderen beiden Toten war zunächst nichts bekannt. Bei einem Bombenanschlag auf einen Autokonvoi auf derselben Straße wurde am Donnerstag ein Iraker verletzt. Der Sprengsatz sei explodiert, als der Konvoi aus Geländewagen vorbeifuhr, wie aus dem irakischen Innenministerium verlautete. Unmittelbar nach dem Attentat riegelten US-Soldaten die Straße ab. Geländewagen werden im Irak meist von Ausländern benutzt, die für die US-Armee oder eine Sicherheitsfirma arbeiten.
(apa)

21.4.2005 12:45
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