Kärntnerin in Mafia-Mordfall verwickelt: Mann in London unter Brücke erhängt
- 43-Jährige muss ab 6. Oktober in Rom vor Gericht
- Verbindung zu Bankenzusammenbruch Italiens möglich
Die Kärntnerin Manuela K., die 22 Jahre nach dem Tod des italienischen Bankiers Roberto Calvi in den Verdacht der Beihilfe zum Mord geraten ist, muss sich vor Gericht verantworten. Dies wurde am Montag von einem Gericht in Rom beschlossen, das im Verfahren über den Mord an dem Bankier entscheiden muss.
Vor Gericht müssen sich auch der Ex-Freund der Kärntnerin, Flavio Carboni, sowie die beiden Ex-Mafia-Bosse Pippo Calo und Ernesto Diotallevi verantworten, verlautete aus Gerichtskreisen am Montag. Der Prozess beginnt am 6. Oktober vor einem Schwurgericht in Rom.
Opfer unter Londoner Brücke erhängt
Calvi, Chef des Mailänder Kreditinstituts Banco Ambrosiano, war am 18. Juni 1982 erhängt unter der Blackfriars Bridge in London aufgefunden worden. Der "Bankier Gottes" hatte sich zuvor in undurchsichtige Finanztransaktionen mit der Vatikanbank IOR, der umstrittenen Geheimloge P2 und der Mafia verstrickt. Dabei verschwanden zwischen 1972 und 1981 mehr als 1,3 Milliarden US- Dollar. In der Folge war Calvi über Österreich nach Großbritannien geflüchtet.
Die römische Staatsanwaltschaft geht nunmehr davon aus, dass er von drei italienischen Unterweltlern ermordet wurde. Im Zusammenhang damit geriet auch Manuela K. unter Verdacht. Sie war zur Tatzeit 19 Jahre alt und Freundin des sardischen Immobilienhändlers Carboni. Dieser soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Beihilfe zum Mord geleistet haben. Die Frau hatte sich gemeinsam mit Carboni in London aufgehalten, als Calvi dort zu Tode kam. Sie hat stets ihre Unschuld beteuert. Heute sei sie 43 Jahre alt und Mutter eines siebenjährigen Kindes. Sie habe mit Carboni nichts mehr zu tun, sagte ihre Verteidigerin.
Der Bankrott der Banco Ambrosiano war der größte Bankenzusammenbruch in der italienischen Nachkriegsgeschichte, deren genaue Hintergründe bis heute im Dunkeln liegen.
(apa/red)
