Montag, 18. April 2005

Nach Kreuzfahrt mit griechischem Reeder: Kritik an EU-Kommissionpräsident Barroso

  • Sprecherin wiegelt ab: Privater Urlaub mit altem Freund
  • Banker Latsis wird auch mit EU-Geldern unterstützt

EU-Kommissionspräsident Barroso ist wegen einer privaten Kreuzfahrt in die Kritik geraten. Seine Sprecherin Le Bail bestätigte am Montag in Brüssel, dass Barroso Mitte August 2004 zusammen mit seiner Frau auf der Yacht des befreundeten griechischen Reeders und Bankers Spiro Latsis verbracht habe. Diese Einladung sei aber rein privat gewesen und stelle keinen Interessenkonflikt für Barroso dar.

Die Kommissionssprecherin betonte, Barroso und Latsis kennten sich seit 20 Jahren. Die von der Tageszeitung "Die Welt" am Montag gemeldete Urlaubseinladung sei "eine Affäre, die keine ist". Die "Welt" hatte berichtet, Barroso habe sich und seine Frau von einem befreundeten Reeder zu einer Kreuzfahrt "im Wert von rund 20.000 Euro einladen lassen". Le Bail wies dies als absurd zurück. Es habe sich bei der Reise um einen privaten Urlaub gehandelt.

Wie am Montag berichtet wurde, steht die Europäische Bank für Wiederaufbau & Entwicklung (EBRD) allerdings in Geschäftsbeziehungen mit der Bankengruppe Latsis. Die EBRD finanziert nach eigenen Angaben unter anderem Immobilienkredite in Rumänien über die dortige Banc Post, die mehrheitlich der EFG Eurobank des Unternehmers Latsis gehört.

Auch der britische EU-Handelskommissar Peter Mandelson ist wegen einer privaten Einladung ins Gerede gekommen. Le Bail bestätigte, dass Mandelson vom 30. Dezember bis zum 3. Jänner mit Freunden Urlaub in der Karibik gemacht habe. Vom 4. bis 6. Jänner habe der Kommissar dann an einem Treffen der EU mit Handelsministern der Karibik- Staaten teilgenommen.

In der Kommissionssitzung vergangene Woche habe Barroso die Kommissare darum gebeten, Auskunft über angenommene Einladungen zu geben, sagte Le Bail weiter. Neben dem Präsidenten selbst habe sich auch Mandelson erklärt.

(apa)

18.4.2005 18:42