Montag, 18. April 2005

"Es war die reinste Hölle": Monsterwelle beschädigt norwegisches Kreuzfahrtschiff

  • Vier Passagiere erlitten Schnittwunden und Prellungen
  • 14 Meter hohe Wasserwand überflutete 62 Kabinen

Eine Riesenwelle hat ein norwegisches Kreuzfahrtschiff auf der Reise von den Bahamas nach New York beschädigt. Die Welle türmte sich nach Augenzeugenberichten 14 Meter hoch auf und überflutete 62 Kabinen der 290 Meter langen "Dawn". Vier Passagiere erlitten Schnittwunden und Prellungen. "Das war die reinste Hölle", berichtete James Fraley, der seine Hochzeitsreise auf dem Schiff verbrachte.

Die "Dawn" lief den Hafen von Charleston im US-Staat South Carolina für Reparaturen an. "Die Welle war 14 Meter hoch und riss Whirlpools über Bord", erzählte Fraley dem Fernsehsender WCBD-TV in Charleston weiter: "Die Leute schliefen in Rettungswesten in den Gängen. Es war einfach die Hölle." Er und seine Frau hätten ihre Verwandten angerufen, weil sie dachten, das Schiff gehe nun unter.

Welle reichte bis zum Deck 10
Die Reederei Norwegian Cruise Line teilte mit, die so genannte Monsterwelle habe am Wochenende zwei Kabinenfenster zerschlagen. Die Welle habe bis zum Deck 10 gereicht, erklärte Sprecherin Susan Robison. Die Sicherheit des Schiffes sei zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, versicherte die Reederei.

Insgesamt 300 Passagiere hätten sich entschieden, nach dem Vorfall nicht mit dem Kreuzfahrtschiff die Heimreise anzutreten, sagte die Reederei-Sprecherin. 100 Reisende seien mit dem Flugzeug zurückgeflogen, der Rest habe eigene Arrangements getroffen.

"Freak Waves"
Die so genannten Monsterwellen ("Freak Waves") kommen nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen häufiger vor als bislang gedacht. Bei einem Forschungsprojekt der Europäischen Weltraumagentur ESA erfassten Satelliten in einem Zeitraum von nur drei Wochen im Frühjahr 2001 nicht weniger als zehn Wellen von mehr als 25 Metern Höhe.

Damals wurden im Südatlantik binnen einer Woche gleich zwei Kreuzfahrtschiffe fast Opfer von Monsterwellen. Diese zerschlugen nach Darstellung der ESA bei der deutschen "Bremen" und der britischen "Caledonian Star" die Fenster der Kommandobrücken, die 30 Meter über der Meeresoberfläche lagen. Die Riesenwellen bilden sich besonders häufig dort, wo Wellen auf Meeresströmungen und Wasserwirbel treffen.

(apa)

18.4.2005 19:58