Irak: US-Menschenrechtsaktivistin bei Autobombenanschlag ums Leben gekommen
- 28-jährige Frau gründete die Hilfsorganisation CIVIC
- PLUS: Angebliche Geiselnahme von 100 Dorfbewohner
Bei einem Bombenanschlag in Bagdad ist am Sonntag die amerikanische Menschenrechtsaktivistin Marla Ruzicka getötet worden. Am Montag starben bei der Explosion einer Autobombe in Basra zwei irakische Polizisten. Sechs Polizisten erlitten Verletzungen. Im Nordirak setzte eine Explosion eine Ölpipeline bei Beiji in Flammen. Nach Berichten über eine Geiselnahme von 100 Schiiten durchsuchten unterdessen irakische Sicherheitskräfte am Montag weiter die Ortschaft Madaen südlich von Bagdad. Es mehrten sich Hinweise darauf, dass der Zwischenfall übertrieben dargestellt wurde.
Am Wochenende waren mindestens 33 Menschen bei Anschlägen getötet worden, darunter die Amerikanerin Ruzicka. Die 28-jährige hatte vor zwei Jahren die Hilfsorganisation CIVIC gegründet und kümmerte sich im Irak vor allem darum, die Zahl getöteter Zivilpersonen zu ermitteln und Bedürftigen zu helfen. Bei dem Autobombenanschlag am Samstag wurden zudem ein weiterer Ausländer und ein Iraker getötet, wie die Behörden mitteilten.
"Es ist eine schreckliche Tragödie und eine tragische Ironie, dass jemand, der sein Leben den Opfern des Krieges gewidmet hat, selbst ein Opfer des Krieges geworden ist", erklärte Medea Benjamin, Direktorin der Hilfsorganisation Global Exchange, für die Ruzicka früher arbeitete. Kenneth Roth von Human Rights Watch würdigte die Bemühungen der Menschenrechtsaktivistin, Informationen über Zivilpersonen in dem Krieg zu dokumentieren.
Verwirrung um Geiselnahme
Ein Fotograf, der die Sicherheitskräfte in Madaen begleitete, berichtete am Morgen, die Truppen hätten weder Geiseln gefunden noch seien sie auf Widerstand gestoßen. Bewohner und schiitische Politiker hatten zunächst berichtet, sunnitische Extremisten hätten bis zu 100 Einwohner in ihre Gewalt gebracht und gedroht, sie umzubringen, wenn nicht alle Schiiten das Dorf verließen. 15 Familien konnten nach früheren Angaben des Verteidigungsministeriums befreit werden. Sicherheitsminister Kassim Dawud sagte am Sonntag: "Wir müssen die Tatsache anerkennen, dass es einen Versuch gibt, das Land in einen Konfessionskrieg zu ziehen."
Der irakische Offizier Mohammed Abdelamir sagte am Montag, die Aktion in Madaen sei weit umfangreicher als die bislang vorgenommene Durchsuchung mehrerer Häuser. Die Verwirrung über die Lage in dem Dorf zeigt, wie schnell in dem religiös und ethnisch gespaltenen Land Gerüchte entstehen können. Die schlechten Telefonverbindungen und die Gefahren, die schon bei der Reise in eine andere Stadt drohen, machen es auch für die Regierung schwierig, die Tatsachen zu erfassen.
(apa/red)
