Mittwoch, 13. April 2005

Wirtschaft auf Grünkurs

Eigentlich war die Sache nur als loser Gedankenaustausch angelegt. Unter dem Decknamen Marktplatz treffen sich regelmäßig VP-nahe und liberale Wirtschaftskreise, um bei gepflegtem Essen angeregt zu plaudern und politische Themen zu diskutieren.

Doch jetzt wird aus Spaß plötzlich Ernst. Denn angesichts der Politturbulenzen rund um FPÖ & BZÖ hat sich der Debattierklub einer handfesten Mission verschrieben. Einer der Organisatoren umreißt den neuen Vereinszweck ebenso knapp wie eindeutig:

„Wir wollen eine konstruktive Brücke für eine schwarz-grüne Annäherung bauen.“

Zumal immer größere Wirtschaftskreise, wenn auch zumeist nur hinter vorgehaltener Hand, ihren schweren Unmut über das Koalitionschaos äußern.

Toptreffen. Vorläufiger Höhepunkt: Am 27. April diskutieren Böhler-Uddeholm-Boss Claus Raidl und der Grüne Christoph Chorherr in einem Wiener Nobelrestaurant zum viel sagenden Thema „Ökologie in der Wirtschaft“ Wirtschaftspolitik. Ein Treffen auf höchster Ebene. Denn Raidl gilt als enger Vertrauter von Kanzler Wolfgang Schüssel, und Chorherr wiederum wurde von Grünenboss Alexander Van der Bellen beauftragt, höchst vertraulich allfällige Koalitionsvarianten auszuloten.
Dem Gespräch von Raidl und Chorherr darf bloß eine streng handverlesene Zahl von Managern und ehemaligen Politsekretären lauschen. Das schwarz-grüne Tête-à-Tête ist aber nicht das erste und einzige.
Der Böhler-Uddeholm-Boss war bislang ebenso regelmäßiger Gast der „Marktplatz“-Veranstaltungen wie Richard Schenz, Ex-OMV-Boss und Kapitalmarktbeauftragter der Bundesregierung. Ebenfalls an Bord ist unter anderem die Exgrüne Monika Langthaler, die sich mittlerweile als erfolgreiche Unternehmerin etabliert hat. Exkabinettsmitglieder der ÖVP finden sich ebenso in dem Kreis wie weitere prominente Wirtschaftsvertreter, wie etwa Bundesforste-Boss Thomas Uher.

Raidl für Schwarz-Grün. Monika Langthaler bringt ihre Motivation für die Mitgliedschaft bei Marktplatz gleich auf den Punkt: „Es ist wichtig, wenn Grüne in der nächsten Regierung sind. Ich schätze die zivilisierte und angenehme Atmosphäre dieser Plattform.“ Schenz und Raidl wiegeln hingegen ab und betrachten die Plattform als reinen Gedankenaustausch zwischen altgedienten und jüngeren Managern. Dass Schwarz-Grün seine Reize hätte, stellen aber beide nicht in Abrede. Schenz: „Der Marktplatz könnte ein Instrument sein, dass man einander näher kommt.“

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13.4.2005 16:50