Die Erotik ist wichtig
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Hätte sie sich als junge Schauspielerin selbst bewerten müssen, wäre das Urteil hart ausgefallen: Begabt, aber die macht sichs leicht und hat einen fertigen Ton im Ohr. Doch die Zeiten, da sie als die untalentierte Tochter der Paula Wessely kritisiert wurde, sind gründlich vergessen. Fünfzig Jahre nach dem Filmdebüt in Der Major und die Stiere zählt Christiane Hörbiger, 66, zur Elite deutschsprachiger Schauspielkunst.
Serien wie Das Erbe der Guldenburgs und Julia wirkten publikumsmagnetisch, mit Filmen wie Schtonk! oder Die Gottesanbeterin gelangte sie in den Ruf der Charakterdarstellerin. Zum runden Karrierejubiläum ehren sie nun ARD und ORF mit einer eleganten TV-Gala, die am vergangenen Samstag in Hamburg aufgezeichnet wurde. (Ausstrahlung am 26. 5. in ORF 2).
Nacht der Stars. Christiane Hörbiger nimmt die Würdigung ohne falsche Bescheidenheit entgegen. Ich hab mir das Lob hart erarbeitet. Es gab auch eine Phase, wo ichs draufbekommen hab, sagt sie im NEWS-Interview. Lebensgefährte Gerhard Tötschinger hatte den TV-Abend geplant, die Hauptdarstellerin selbst musste improvisieren: Ich wusste nicht, was passieren wird. Die Überraschung gelang umfassend: Freund und Kollege Helmuth Lohner nahm ebenso auf der roten Couch Platz wie Hörbigers Lieblingspartner Götz George. Die Videobotschaft mit raren Kinderaufnahmen von Schwester Maresa rührte Christiane Hörbiger zu Tränen. Karlheinz Hackl und Heinz Marecek hielten die allgemeine Rührung mit Sketches von Farkas und Grünbaum in Schach.
Der Abend wurde zur Krönung des fünfzig Jahre langen, teils beschwerlichen Weges einer ungewöhnlichen Frau an die Spitze.
Gefährliches Spiel. Stetiger Wandel und Wechsel scheinen Christiane Hörbigers Berufsprinzip zu sein. Erst Jahrzehnte nach ihrem Debüt als Schauspielerin in Der Major und die Stiere (1955) erlangte sie Mitte der Achtziger als Gräfin in der Serie Das Erbe der Guldenburgs breite Popularität. Doch der reibungslose Ruhm reichte der gestandenen Theatermimin auf die Dauer nicht. Mit provokanten Rollen wie der der alternden Nazifrau in Schtonk! riskierte sie die Gunst des Publikums, beschüttete ihr blütenweißes Image und erntete Ovationen seitens der Kritiker. Das war riskant und ist Gott sei Dank gut gegangen! Zahlreiche Auszeichnungen Grimme-Preis, Romy & Goldene Kamera bestätigen den Erfolg. Zur Grande Dame des österreichischen Fernsehens und zur Gagenkönigin mit 70.000 Euro pro Folge avancierte sie als Richterin Dr. Julia Laubach. Doch abermals devastierte sie das Bild der Sauberfrau mit der Darstellung der lüsternen Männermörderin in dem Kinofilm Die Gottesanbeterin. Hörbiger, amüsiert: Damals bekam ich anonyme Drohanrufe.
Femme fatale. Als Mittsechzigerin denkt sie keineswegs an Beschaulichkeit. Demnächst steht der nächste Diskussionsstoff an: Zurzeit dreht die Umtriebige den Film Mathilde liebt, in dem sie eine knapp Siebzigjährige spielt, die ihre körperliche Leidenschaft entdeckt. Die Erotik in dem Film geht sehr weit. Es ist eine leidenschaftliche Sache! Dass sie in ihrem Alter als Liebhaberin besetzt wird? O Gott, ja! Koketter Nachsatz: Ich flirte gerne mit jungen Männern.
Nur Abstürze wie Harald Juhnke hat sie aus ihrem Repertoire getilgt. Ich bin am Theater durch eine harte Schule gegangen. Da gab es kein Pardon. In den seltenen Urlauben lernt sie Texte. Wenn ich textunsicher bin, weil ich undiszipliniert war, bin ich mit mir selber so böse. Auch das geliebte Glas Rot unterliegt strenger Dosierung. Man sieht es mir am nächsten Tag an. Ich lass mir den Dreh nicht verderben. Dafür macht mir die Arbeit zu viel Spaß! Nur hin und wieder pocht ein Jemand in der Seele an. Vielleicht denke ich mir mit 80: Was hab ich alles versäumt. Gott, war ich dumm!
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