Mittwoch, 13. April 2005

Playboy am Monaco-Thron

Fürst Albert. Nach dem Tod Rainiers lenkt der Party-Prinz die kriselnde Staats-Soap. Sein Masterplan, seine Lieben, seine Leiden.

Das Erbe, das auf den mühselig auftrainierten Männerschultern lastet, drückt schwer: Fürst Albert von Monaco, 47, hat am 31. März die Amtsgeschäfte übernommen. Und just das Leichteste des Fürstentums – die leere Staatskasse nämlich – ist die schwerste Bürde:

2004 verbuchte der Staatshaushalt im einst florierenden Nacht- und Yachtimperium ein Minus von 60 Mio. Euro. Also muss neuer Glanz her, damit sich die Nobeltouristen wieder unter ihresgleichen fühlen dürfen.

Am besten in der Gestalt einer leuchtenden First Lady, wie die verstorbene Grace Kelly eine war. Der vormalige Filmstar brachte zudem die stattliche Mitgift von zwei Mio. Dollar in das fürstliche Gemechtel ein.

Zwangsjacke der Macht. Doch ob sich der bis dato blasse Albert als Regent tatsächlich zur Lichtgestalt einfärbt, ist ungewiss. Sicher ist: Unter dem Druck der Bevölkerung wird er bald eine Braut von einnehmendem Äußeren und ebensolchem Bankguthaben präsentieren müssen.
Bis dato kannte man den Erbprinzen eher als Meister der Minne denn der Macht. Der eisglatten Bobbahn konnte der Hobbysportler stets mehr abgewinnen als dem ähnlich beschaffenen Parkett. Und in der rabiaten Freiheit der Rallye Paris–Dakar fühlte er sich wohler als im fürstlichen Felsenverlies über Monaco.
Skeptiker beweinen nun den Untergang des Dallas an der Côte d’Azur. Sympathisanten hingegen wittern die Chance, Monaco mit modernen Managementmethoden wieder zu dem zu machen, was es einmal war.

„Fürst des 21. Jahrhunderts“. In jedem Fall ist jetzt Schluss mit lustig, die gut dokumentierten Jugendsünden sollen in den Geschichtsbüchern abgelegt werden. Frédéric Laurent, Rainier-Biograf: „Albert ist der perfekte Fürst des 21. Jahrhunderts – kompetent, liberal, offen.“
Statt mit dem zweifelhaften Ruf als Playboy soll Albert künftig nur noch mit den Insignien der Staatsmacht bekränzt sein: eine Mio. Euro Apanage im Monat, der Fürsten- nebst 21 anderen Titeln, ein Diplomatenpass. Der ersten Bewährungsprobe stellt sich der neue Fürst bei den Begräbnisfeierlichkeiten am Freitag, 15. April (ORF2 überträgt ab 09.50 Uhr live).

Erziehungsziel Erbfoge. Wie beim britischen Kollegen Charles verfolgten Erziehung und Ausbildung von Anfang an nur ein Karriereziel, nämlich die Thronbesteigung: Matura in Monaco, Wirtschafts- und Politikstudium an der US-Universität Amherst, Praxiserfahrung durch Jobs im gehobenen Management (Morgan, Moët Hennessy). Albert spricht fünf Sprachen fließend, nur im Französischen neige er zum Stottern, wie Grimaldi-Watcher zu verstehen geben. Ein rarer Fall von Understatement.

Die ganze Story finden Sie im neuen NEWS

13.4.2005 16:52