Freitag, 15. April 2005

FORMAT: Treichls Rekordgage - Erste- Bank-Chef verdiente 4,5 Millionen Euro!

  • Diskussion über Manager-Gehälter jetzt entfacht!
  • PLUS: Österreich & Ausland - die Spitzenverdiener!

Andreas Treichl sorgte diese Woche wieder einmal für Schlagzeilen. Anders als üblich beeindruckte der Generaldirektor der Erste Bank diesmal aber nicht durch Zuwächse beim Unternehmensgewinn, sondern durch eine neue Rekordgage. Denn wie aus dem druckfrischen „Geschäftsbericht 2004“ hervorgeht, bekam der 52-jährige Bankchef im Vorjahr eine Vergütung von satten 4,55 Millionen Euro.

Für österreichische Verhältnisse ist das absolute Spitzenklasse – nur Magna-Boss Siegfried Wolf verdient dank seines Vertrags nach US-Standard mehr, nämlich 9,4 Millionen Euro inklusive noch nicht ausgeübter Aktienoptionen. Treichl begründet seine Rekordgage im FORMAT-Interview: „Wie in Sport und Medien gibt es in der Wirtschaft einen Marktwert, und der steigt mit Erreichen einer internationalen Dimension.“

Tatsächlich sorgt Treichls Gehalt derzeit für angeregte Diskussionen über die Höhe von Managergehältern in Österreich. Ob Gewerkschafter, Personalberater oder Privatinvestoren: Die Managermillionen in der Erste Bank lassen keinen kalt. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger bringt es auf den Punkt: „Diese Dimensionen kannte ich bisher nur aus dem Fußball-Sport. Solche Gehälter sind für österreichische Verhältnisse einmalig und setzen neue Maßstäbe in der Managemententlohnung.“

Nicht nur Treichl, sondern der gesamte Vorstand der zweitgrößten Bank Österreichs (Bilanzsumme: 139,7 Milliarden Euro, 35.862 Mitarbeiter) spielt in der Millionenshow mit: Während Vizegeneraldirektorin Elisabeth Bleyleben-Koren 1,85 Millionen Euro und IT-Vorstand Erwin Erasim 1,02 Millionen Euro kassierten, verdienten Reinhard Ortner (Osteuropa) und Franz Hochstrasser (Investmentbanking) jeweils 1,55 Millionen Euro. Insgesamt erhielten die Mitglieder des Vorstandes im Gesamtjahr 2004 Bezüge in Höhe von 11,67 Millionen Euro, mehr als die Hälfte davon als variable Erfolgsprämie. Zum Vergleich: Der siebenköpfige Vorstand der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) verdiente 5,47 Millionen (inklusive Boni).

Treichl kassiert "zu Recht" das Millionen-Gehalt
Konkret setzt sich Treichls 4,5-Millionen-Salär im Jahr 2004 aus einem Fixum (1,2 Millionen Euro), einer Erfolgsprämie (1,3 Millionen) und einer einmaligen Sonderzahlung von zwei Millionen Euro zusammen. Letztere rechtfertigt Treichl folgendermaßen: „Ich habe 2002 den Aufsichtsrat informiert, dass ich bleibe und was ich bei einigen Angeboten, die ich hatte, bekommen hätte – ein Vielfaches dieser Summe. Ich habe nichts gefordert, sondern nur gesagt: ‚Machts irgendwann was.‘ Das ist jetzt passiert.“

„Zu Recht“, meint Spencer-Stuart-Headhunter Gerd Wilhelm: Schließlich sei Treichl ein Topmanager, der international ein Vielfaches verdienen könnte. Wilhelm: „In Österreich liegen die Vorstandsgagen um mindestens 30 Prozent unter jenen in Deutschland.“ Und in den USA würden Firmenbosse oft das 300-fache eines durchschnittlichen Angestellten verdienen. So kassierte etwa der Boss des Markenartikelkonzerns Colgate-Palmolive, Reuben Mark, im Vorjahr sagenhafte 148 Millionen Dollar.

Für Wolfgang Matzian, Chef der Gewerkschaft der Privatangestellten, „entbehren die astronomischen Gehälter in der Ersten jeder moralischen Grundlage“. Was Katzian besonders wurmt: „Den Mitarbeitern wurde die Dienstrechtsreform mit dem Argument verkauft, dass die Personalkosten zu hoch seien und gespart werden müsste.“ Und Erste-Betriebsrätin Ilse Fetik ergänzt: „Durch das neue Gehaltsschema kommt es bei einzelnen Gruppen zu Einbußen von bis zu acht Prozent. Das Management bekommt immer mehr, die Mitarbeiter immer weniger.“

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15.4.2005 13:14