Neue Rekordumsätze: Wintersaison
brachte Tourismuswirtschaft viel Geld
- Die Zahl der Nächtigungen ging allerdings zurück
- Herbstferien-Diskussion um Saisonverlängerung
Die per Ende April zu Ende Wintersaison 2004/05 hat dem heimischen Tourismus neuerliche Rekordumsätze gebracht, die Zahl der Nächtigungen ging allerdings leicht zurück. Um die von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) geforderte Saisonverlängerung anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit im Tourismus zu senken, schlägt der Tourismus-Spartenobmann der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Johann Schenner, die bessere Koordinierung der Semesterferien, die Einführung von Herbstferien und die Anwendung des Dienstleistungsschecks auch im Tourismus vor.
Trotz des späten Schneefalls, eines schwachen konjunkturellen Umfelds und des frühen Ostertermins, der die Wintersaison um etwa zwei Wochen abkürzte, erwarten die Touristiker ein Umsatzplus von rund 4 Prozent, zeigte sich Schenner, am Mittwochabend vor Journalisten in St. Anton am Arlberg erfreut. Die Zahl der Nächtigungen werde jedoch leicht zurückgehen.
Verantwortlich für das voraussichtliche Nächtigungsminus sei der Rückgang von Inländernächtigungen um etwa 3 bis 4 Prozent, so Schenner: "Viele Österreicher sind heuer auf Grund der guten Schneelage zu Hause Ski gefahren und nicht weggefahren". Das Minus bei den Gästen aus Deutschland, dem nach wie vor wichtigsten Herkunftsmarkt des heimischen Tourismus, von etwa 3 Prozent sei hingegen durch Zuwächse bei Gästen aus den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien wettgemacht worden.
"Wir sind mit der Bilanz sehr zufrieden, der Winter 2004/05 zeigt, dass die Leute auf das Produkt Ferien nicht verzichten wollen", bemerkte Schenner. Die Wintersaison 2003/04 hatte dem Tourismus ein Nächtigungsplus von 2,2 Prozent auf 58,1 Mio. Übernachtungen und ein Umsatzplus von 5,7 Prozent auf 9,39 Mrd. Euro gebracht.
Ferien Kernpunkt der Saisonverlängerung
Als mögliche Maßnahmen, um die Saisonen in der österreichischen Tourismusbranche zu verlängern und die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, sieht Schenner die bessere Koordinierung der Schul-Semesterferien und die Einführung von Herbstferien, was Zwischensaisonen besser ausgleichen würde. Außerdem sollte der geplante Dienstleistungsscheck, der bisher nur für den privaten Bereich vorgesehen ist, auch auf den gewerblichen Bereich und damit auf den Tourismus ausgedehnt werden, wünscht sich Schenner. Damit könnten saisonalen Spitzen und Mehrarbeit - etwa bei Veranstaltungen - besser bedient werden.
Bartenstein hatte sowohl WKÖ als auch Gewerkschaft vor etwa zwei Wochen schriftlich dazu aufgefordert, auf Sozialpartnerebene Lösungen für die Saisonverlängerung zu finden. Der Wirtschaftsminister wirft dem Tourismus vor, um 150 Mio. Euro mehr aus der Arbeitslosenversicherung herauszunehmen als einzuzahlen. Der österreichische Tourismus ist saisonal, das kann man nicht verhindern, eine Saisonverlängerung wäre eine künstliche Maßnahme, meinte Schenner dazu: "Die Leute haben in der Nachsaison keine Lust mehr Ski zu fahren". Außerdem liege es in der Natur von Versicherungen, Defizite auszugleichen. Der heimische Tourismus sei per se ein saisonales Geschäft, eine sozialpartnerschaftliche Lösung wäre die "Quadratur des Kreises", schlug auch Tourismussparten-Geschäftsführerin Petra Stolba in dieselbe Kerbe.
Mehr Hotels für Low Budget-Bereich gefordert
Um spezielle Zielgruppen wie Städtetouristen, Jugendliche oder Gäste mit schmaler Brieftasche - etwa aus Osteuropa oder auch aus Österreich selbst - besser bedienen zu können, wünscht sich der Tourismusspartenobmann der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Johann Schenner mehr Ein- und Zwei-Stern-Betriebe in Österreich. Für dieses Segment sollte es auch staatliche Förderungen von der Hotelförderbank ÖHT geben.
(apa)
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