Dienstag, 12. April 2005

Britische Post will Österreich erobern: 500
Paket-Shops im gesamten Bundesgebiet!

  • GLS-Tochter will geschlossene Postämter ersetzen
  • Konzernchef Back: Werden keine Gemeinde ablehnen

Nach dem Postämtergipfel bleibt zwar weiterhin die endgültige Zahl der zu schließenden Ämter offen, doch die Gegner wittern Morgenluft. Wie am Dienstag bekannt wurde, will GLS, eine Tochter der britischen Post, bereits ab Mitte dieses Jahres 500 neue Paket-Shops in Österreich eröffnen.

Diese sollen gezielt in jenen Gemeinden errichtet werden, wo der derzeitige staatliche Monopolist sein Postamt zusperren will, erklärte GLS-Konzernchef Rico Back am Dienstag im Gespräch mit der APA. Der zuständige Staatssekretär Eduard Mainoni (B) sprach am Dienstag vor Journalisten von "einer Rute im Fenster" der Österreichischen Post AG.

Die Österreichische Post will nach bisherigen Plänen heuer noch rund 350 Postämter zusperren. Nach der ersten Verhandlungsrunde mit den Gemeinden in der eigens eingerichteten Kontrollkommission liegt dazu nun ein Zwischenbericht vor: Laut Kommissionvorsitzenden Post-Manager Thomas Auböck gibt es derzeit noch für 70 Postämter "keine Lösung". Über diese wird jetzt mit den Bürgermeistern neu verhandelt. Zwölf Postämter dagegen werden entgegen ersten Plänen fix nicht zugesperrt - vier in Wien, drei in Niederösterreich, eines in Salzburg, eines in Tirol, die anderen sind noch nicht bekannt. In 150 der rund 350 betroffenen Gemeinden sollen nach Zusicherung der Österreichischen Post AG Post-Partner oder -Servicestellen, meistens Greißler, die Postamts-Leistungen übernehmen. In den anderen Gemeinden würde sich selbst eine solche Lösung nicht rechnen, betont die Post.

Auch die Annahme- und Abgabestellen des Konkurrenten GLS sollen in Banken, Einzelhandelsläden und Gemeindeämtern eingerichtet werden. Die britische Post setzt bei ihrer Shop-Variante allerdings auf ein schlankeres Konzept und wird daher keinen Interessenten ablehnen, versicherte Konzernchef Back. Gespräche mit den Banken, denen die Österreichische Post auf Grund ihrer Exlusivverträge mit der BAWAG P.S.K. eine Post-Partnerschaft verweigern musste, sind bereits im Laufen.

Während der Post-Partner der österreichischen Post in seinem Laden einen eigenen Stand errichten muss und eine EDV-Anbindung benötigt, bekommt der GLS-Partner lediglich ein zusätzliches Tür-Schild, Etiketten, Flyer und eine Liste, die er führen muss. Verschickt werden können die Pakete vorerst auch nur in den EU-Raum, damit der Shop-Betreiber sich nicht um Zollmodalitäten kümmern muss. Pakete wird es im GLS-Shop in verschiedenen Größen geben. Das kleinste Inlandspaket wird vorerst rund 3,50 Euro kosten. Längerfristig - wenn das Briefmonopol fällt - schließt das Unternehmen aber auch die Annahme von Briefen nicht aus.

Im Geschäftsjahr 2004/05 (per Ende März) hat GLS-Österreich mit 260 Mitarbeitern und 330 Vertragsunternehmen in Österreich bereits 11,4 Millionen Pakete zugestellt und rund 44 Mio. Euro umgesetzt. Mit den neuen Shops hofft GLS-Österreich-Chef Christof Bader zusätzlich auf 200.000 Pakete und rund eine Million Euro Mehrumsatz.

Die Österreichische Post sieht in der neuen Konkurrenz jedoch keinen Grund für ein Umdenken bei der Postämter-Schließung und zweifelt an den Erfolgsaussichten der Engländer. Post-Filialnetzleiter Herbert Götz stellte nach einer Sitzung der Postämter-Arbeitsgruppe im Infrastrukturministerium klar, dass er bis Ende Juni die "Netzoptimierung" abschließen will.

Über den Lauf der Verhandlungen zeigten sich Gemeinden und Regierung am Dienstag dennoch zufrieden. "Unser Weg der Verhandlungen war richtig", meinte Staatssekretär Mainoni. Und Gemeindebund-Chef Helmut Mödlhammer ergänzte: "Der Druck auf die Post hat sich ausgezahlt". Beide gaben sich zuversichtlich, dass nach Wien und Niederösterreich auch in den anderen Bundesländern eine vergleichbare, konsensuale Lösung gefunden werde.

Die weiteren Gespräche mit den Bürgermeistern sollen nun in den nächsten Tagen stattfinden. Danach wird die Post-Kontrollkommission entgegen ursprünglichen Plänen in einer zweite Runde noch einmal tagen. Mit Tirol ist diese Runde bereits am Dienstag gestartet. Spätestens in einem Monat sollen die Verhandlungen dann endgültig abgeschlossen sein. (apa/red)

12.4.2005 18:56